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Einige Eindrücke von der JEKAMI Tour Samstag, 9. Juli 2016
von Röbi Giacomelli und Bericht von Hanspeter Bratschi
Bericht zur Jekami-Tour vom 9. Juli 2016

Es begann schon ziemlich geheimnisvoll: Gemäss Tourenprogramm sollte uns die Jekami-Tour vom Samstag, 9. Juli 2016, über Buchs und Niederhasli nach Rümlang und zurück nach Spreitenbach führen. Doch bereits am Vorabend informierte Hansjörg Baumann via SMS darüber, dass die Tour geändert wird und nun als Ziel die Reussfähre Sulz vorgesehen sei. Das lag zwar nicht ganz in der ursprünglichen Richtung, aber da Hansjörg ausserdem noch den Wunsch äusserte, dass er sich über möglichst viele Teilnehmer freuen würde, machten Heidi und ich uns pünktlich (jawoll!) auf zum Sternenplatz, wo bereits 10 weitere erwartungsvolle VCSler gespannt warteten. Natürlich nicht auf uns, sondern auf die Abfahrt…
In flotter Fahrt ging‘s dann über vertraute Wege los über Dietikon und Bergdietikon Richtung Reppischtal – wo an den orange blinkenden Ampeln der Kreuzung Industrie- / Bernstrasse erst einmal Schluss war. Wir nutzten die erste kleine Pause, um uns einen tiefen Schluck aus unseren Bidons zu  genehmigen und stimmten uns so schon mal auf den etwas ruppigen Aufstieg die Kapfstrasse hoch nach Rudolfstetten ein. Zwischenzeitlich erbrachte die Nachfrage von Hansjörg beim diensthabenden Verkehrssicherheitsbeamten, dass wir – trotz Sperrung  (oder gerade deswegen) – besser auf der Hauptstrasse bleiben sollten. Claire und ein paar andere jauchzten innerlich, war dieser Aufstieg zwar deutlich länger, aber dafür wesentlich weniger steil. Und das schönste daran: Welcher Velofahrer hat schon mal die Gelegenheit, als ERSTER eine total neu asphaltierte Strasse mit noch jungfräulich weiss leuchtenden Markierungen und ganz ohne vorbeirasende Autos  zu befahren? An der ersten grossen Kreuzung in Rudolfstetten war dann fürs Erste leider schon wieder Schluss mit Lustig, da Hansjörg seinen beachtlichen Trupp wieder zurück auf den Radweg komplimentierte, damit wir in Ruhe und jeder in seinem Tempo den Aufstieg zum Schützenhaus und weiter hoch bis Berikon unter die Räder nehmen konnten. Zuvor wurden wir beim Abbiegen jedoch von einer gut gelaunten Schar von Strassenarbeitern mit einem regelrechten Spalier begrüsst. Dass sie nicht noch gleich eine La-Ola-Welle gemacht haben…!?
Zuoberst in angekommen, bat Hansjörg um eine kurze Pause, damit er noch schnell ein wichtiges Telefonat absetzen konnte. Trotz 10 fragender Gesichter – Christine schien eingeweiht zu sein - gab’s keine weiteren Informationen. Aber da es an diesem wunderbar sonnigen Samstag-Morgen keinen Sinn machte, sich den Kopf über irgendetwas anderes, als die herrlichen Velo-Bedingungen zu zerbrechen, reihten wir uns wieder hinter Hansjörg ein und sausten in sehr flottem Tempo im Zickzackkurs durchs Beriker und Zufiker Einfamilienhausquartier den Hang hinunter  Richtung Bremgarten. In der rasanten Abfahrt waren für einmal die Posti- und Bike-Velofahrer unseren drei E-Bikern, Béatrice, Johanna und Max gegenüber im Vorteil….
Wohlbehalten in Bremgarten angekommen, schlängelten wir uns - seriös den ausgeschilderten Radwegen folgend - durch die Vorstadtquartiere in Richtung Altstadt. Das eben in die Haltestelle Obertor einfahrende Bremgarten-Dietikon-Bähnli bremste unsere Fahrt und wir warteten geduldig darauf, dass uns die Bahn den Weg wieder frei gab. Eine Autofahrerin in gesetztem Alter, die nur wenig zuvor unsere Gruppe von hinten überholte hatte, brachte für solche Übungen offensichtlich überhaupt keine Geduld auf,  und raste dem von rechts herannahenden Zug wirklich um Haaresbreite noch vor der Lok durch… Zum Glück für die eilige Autofahrerin führte der aufmerksame Lokführer eine Vollbremsung durch. Etwas weniger Glück dürften die Zugpassagiere gehabt haben, die sich nun alle, den Gesetzen der Physik folgend, im vorderen Teil des Zuges befunden haben mussten…Auf jeden Fall: Für uns Augenzeugen war das Adrenalin pur!
Über das Kopfsteinpflaster der Bremgartner Altstadt hinunter holpernd, verliessen wir unbehelligt von weiteren Zwischenfällen das Reussstädtchen und warfen beim Überqueren der Reussbrücke einen Blick auf vier Pontonier-Boote, die voll beladen mit zahlreichen Gästen in fröhlich orange leuchtenden Rettungswesten, gemütlich die Reuss hinab schipperten. Via Fohlenweid, über Wiesen und Felder und durch kühle Wälder strebten wir der Reuss entgegen, als Hansjörg begann, sich suchend umzusehen. Nach einer winzigen Zusatzschlaufe und einem kleinen Hinweis von Andy hatte er sein Ziel entdeckt: Am gegenüber liegenden Flussufer dümpelte die Reussfähre Sulz, sicher am Oberseil festgemacht in der Strömung. Ein paar Handzeichen genügten und schon sprang der Fährmann ins Boot und querte den Fluss zu uns herüber. Das also war des Rätsels Lösung! Hansjörg hatte für uns klammheimlich eine Sonderfahrt mit der Reussfähre organisiert und von Berikon aus unsere ungefähre Ankunft per Telefon durchgegeben! Offensichtlich waren ihm und den übrigen Teilnehmenden an den diesjährigen VCS-Veloferien in Istrien die Bootsfahrt am letzten Trainingstag noch in allerbester Erinnerung, so dass er sich wohl (frei nach Goethe) dachte, „weshalb denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah“!
In zwei Fuhren zu je sechs VCSlern samt ihren Rädern wurden wir bequem, aber leider viel zu schnell über die Reuss befördert. Wir brauchten fast mehr Zeit zum Be- und Entladen als für die eigentliche, wundervolle Überfahrt – diese E-Bikes sind wirklich ganz schön schwer! Kaum auf der gegenüberliegenden Flussseite angekommen, führte uns Christine in die nahe Besenbeiz „Rohrhof“, wo wir mit Kaffee und feinem Quarkkuchen, Fruchtwähen und „den besten Biberli der Welt“ (Orignalton Max) verwöhnt wurden. Hansjörg hatte zwischenzeitlich noch unsere Zeche beim Fährmann beglichen, nicht ohne zuvor – ganz Gentleman und gerade noch rechtzeitig vor den nun herannahenden orange gewandeten Pontonierboot-Gästen – die beim Aussteigen ins Wasser gefallene Sonnenbrille von Béatrice aus der Reuss zu fischen… Hansjörg: ganz herzlichen Dank für diese tolle Idee – da sage noch einer, auf einer Jekami-Tour kann man nichts erleben!
Nach dem gemütlichen Zwischenhalt in der Besenbeiz, schwangen wir uns frisch gestärkt auf unsere Räder und machten uns über Künten und Stetten langsam auf den Heimweg. Natürlich nicht ohne einen letzten Anstieg den Rohrdorferberg hinauf. Noch einmal gab Hansjörg frei, was sich unsere E-Biker, die sich während der ganzen Ausfahrt (ausser in den Steigungen natürlich) dezent im Hintergrund gehalten hatten, nicht zweimal sagen liessen. Ein forsches „Aus dem Weg, jetzt komme ich“ von Béatrice liess die motorlosen Biker zur Seite weichen und in Béatrice‘ Schlepptau fuhren auch Johanna und Max zügig den Berg hinauf bis zur Niederrohrdorfer Tennisanlage. Ich glaube, sie waren schon ein bisschen überrascht, als wir Normalo-Biker munter plaudernd an ihnen vorbeifuhren, kaum dass sie es sich auf dem Parkplatz etwas hätten gemütlich machen können… Ok, ich habe Claire ein ganz kleines Bisschen geholfen  ;-))
Ausgangs Niederrohrdorf erwartete uns eine absolute VCS-Premiere! Andy schob Claire in rasantem Tempo eine kleine Teerblase hoch an Max vorbei, dem vor Erstaunen doch glatt die Luft weg blieb. Und zwar im echten wie im übertragenen Sinn: Das Hinterrad von Max‘ E-Bike war platt. Strom war offensichtlich noch genügend vorhanden, aber die Luft war endgültig draussen (aus dem Pneu natürlich)… Zum Glück war Max‘ Satteltasche gut gefüllt und nach und nach förderte er sämtliches notwendige Reparatur-Zeugs zutage. Hansjörg, Walti und ich nahmen die „Operation Platten“ in Angriff, was angesichts des stattlichen Gewichts des E-Bikes definitiv  eine Herausforderung war. Mit vereinten Kräften machten wir das Rad wieder flott. Andy, Claire, Walti und Albert ging das aber trotzdem nicht schnell genug, so dass sie sich Christine anschlossen, die wegen eines anderen Termins rechtzeitig wieder zuhause sein wollte.
Nachdem alles zusammengeflickt war, setzte sich der verbliebene Rest der Truppe, d.h. Max, Johanna und Béatrice mit Strom sowie Röbi, Heidi, Hansjörg und ich ohne Strom wieder in Bewegung und nahmen gehörig Fahrt auf. Mit schon fast halsbrecherischen 30 bis 32 Stundenkilometern durchquerten wir Fislisbach, erreichten Baden und bogen vor dem Schulhausplatz schwungvoll nach rechts in den nun wieder befahrbaren Veloweg über den Ländliweg Richtung Neuenhof ein. Ein erfreut-erstauntes „da sind wir ja noch nie durchgefahren!“ machte kurz nach der Eisenbahnbrücke eingangs Wettingen einem äusserst verdächtigen „Pfffffffff…..“ Platz – und Max sass erneut auf einem Velo ohne Luft im Hinterrad. Er und Johanna hatten ein Einsehen mit unserem Flick-Team, oder vielleicht misstrauten sie auch einfach unseren Fähigkeiten… Auf jeden Fall wollten sie lieber zu Fuss bis nach Neuenhof marschieren – ganz nach dem Motto „wer sein Radl liebt, der schiebt“ - um sich dort in Marquardts Radsportgeschäft professionelle Hilfe zu holen.
Wir beugten uns diesem Verdikt und nahmen zu fünft die letzten Kilometer nach Spreitenbach in Angriff. Beim „Sofra“ verabschiedeten wir Béatrice, die es angesichts ihrer bevorstehenden Ferienwoche im Südtirol nach Hause zog. Zu viert (das ist schon fast wie bei den „10 kleinen Negerlein“…) strebten wir schlussendlich dem vereinbarten letzten Kaffeehalt im Restaurant Le&La in der Nachbarschaft von Tobler Walti zu. Dort angekommen sind wir allerdings in Zweiergruppen aus total verschiedenen Richtungen: Heidi hängte sich hinter Hansjörg und nahm den ordentlichen Radweg entlang der Autobahnbrücke, während Röbi und ich den Weg über die Autobahnbrücke wählten… Aber schliesslich trafen wir uns alle wieder wohlbehalten, zufrieden und um viele neue Eindrücke reicher auf der Terrasse des Le&La, dessen Besitzer Walti so nebenbei noch ein Inserat in unseren Clubnachrichten schmackhaft gemacht hat.
Liebe VCSler, diesen Bericht habe ich geschrieben, um auch einmal unsere Jekami-Touren entsprechend zu würdigen. Normalerweise können wir in den Clubnachrichten tolle Geschichten über unsere erfolgreichen Veloferien, die vielseitigen Mehrtagestouren und interessante Rundfahrten und Einzelveranstaltungen lesen. Aber auch unsere Jekami-Touren können durchaus spannend, lustig, anspruchsvoll oder einfach nur schön sein – was an besagtem 9. Juli 2016 auf nur gerade 40 Kilometern ganz eindrücklich bewiesen wurde. Ich danke Hansjörg, unterstützt von Christine für die tolle Tourenleitung sowie die Organisation und vor allem für ihren Einfallsreichtum. Ich bewundere Claire und Albert für ihren grossen Durchhaltewillen und freue mich auch noch im Nachhinein über die lustigen Gespräche mit Röbi, Andy, Walti und Max sowie die nette Gesellschaft von Johanna, Béatrice und natürlich Heidi.

Gruss, Hans-Peter Bratschi