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Berichte von Clubmitgliedern ausserordentliche Touren

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Hanspeter Bratschi
mit Sonderberichten


Bericht über die Pässefahrt in Frankreich vom 13. - 18. Juli 2019
Nach der erfolgreichen «Tortour» über das Stilfser Joch im vergangenen Jahr präsentierte Rolf von Burg am letzten Chlaushock seine neue Idee einer Pässefahrt. Diesmal schwebte ihm ein Ausflug nach Frankreich vor: Gleicher Zeitpunkt, soweit möglich gleiche Teilnehmer, gleiches Konzept, aber deutlich mehr Anstiege sollten es sein. Und so präsentierte er uns – das sind Mike Matthews, Rolf Hurter, Andy Ernst und mir - im Mai einen ersten Vorschlag, der in unseren Augen leider gar keine Gnade fand. Erst als sich Heidi Bratschi als Begleitfahrerin anerbot, lief Rolf vB zur Höchstform auf und zauberte eine tolle, in sich abgerundete Strecke aus dem Hut. An dieser Stelle schon mal ein herzliches Dankeschön an Rolf vB. Wir waren in der Vorbereitungsphase vielleicht etwas lästige Mitstreiter, aber schlussendlich hat sich der Aufwand auf der ganzen Linie gelohnt!
Am Samstag, 13. Juli, war es schliesslich soweit. Zu nachtschlafener Zeit brach die Vorhut unseres Unternehmens mit der ersen S12 um 05.24 Uhr nach Zürich und von dort mit dem IC via Morges Richtung Genf auf. Rolf vB, Mike und Andy erreichten knapp 3 ½ Stunden später bereits die erste Zwischenetappe und radelten mit ihren Reisevelos samt Satteltaschen vom Grenzbahnhof La Plaine südwärts bis an die Gestade des Lac du Bourget, wo sie sich nach rund 80 Km Fahrt in Aix-Les-Bains auf die Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit machten. Wegen eines grösseren Musikfestivals erwies sich das jedoch als hoffnungsloses Unterfangen und so fuhren sie entlang dem See weiter, bis sie schlussendlich nach mehrmaligem Fragen und 25 zusätzlichen Kilometern in Chambéry doch noch eine schöne Unterkunft ausfindig machten. Leider verpasste Rolf vB dadurch sein ursprüngliches Tagesziel «Baden im See», aber nach einem wohlverdienten Bier und einem stärkenden Znacht fielen Sie auch so erschöpft genug in ihre Betten und träumten dem nächsten Tag entgegen.
Zwischenzeitlich hatte auch die Nachhut, bestehend aus Rolf H, Heidi und mir, ihre Siebensachen zusammengepackt, zusammen mit zwei Velos im Auto verstaut und startete am Sonntag, 14. Juli, bei herrlichstem Sonnenschein pünktlich um 8 Uhr mit dem Auto via Bern, Lausanne und Genf in Richtung Aix-Les-Bains, wo wir ein Lokal für die Mittagsrast suchten. Uns kam zwar kein Musikfestival in die Quere, dafür hatten aber fast alle Restaurants wegen dem französischen Nationalfeiertag geschlossen… Erst in Viviers-du-Lac wurden wir fündig und genossen ein grosszügiges Vorspeisenbuffet à discrétion. So gestärkt setzten wir unsere Fahrt über Chambéry Richtung Grenoble fort. In Crolles verliessen wir die Autobahn und folgtem dem Radweg, der sich entlang den Hügeln des Massif de la Chartreuse, parallel zum Fluss Isère durch malerische Dörfer bis nach Grenoble schlängelte. Irgendwie hatten wir die Hoffnung, auf diesem Weg auf Rolf vB und seine beiden Mitfahrer zu treffen. Die hatten aber – nachdem sie am Morgen nach einer ausführlichen, aber unfreiwilligen Stadtrundfahrt endlich den Ausgang aus Chambéry gefunden hatten, eine noch viel schönere Strecke gefunden, so dass sie erst am späteren Nachmittag nach ziemlich genau 70 Km im Hotel Citadines City Center, ideal im Zentrum von Grenoble gelegen, zu uns stiessen. Rolf vB hatte auf ausdrücklichen Wunsch von Heidi zum ersten Mal in seinem Leben für eine Radtour drei Hotels vorausgebucht, was sich angesichts der Hochsaison und des Nationalfeiertags als echter Glücksfall erwies: kein langes Suchen, keine unnötigen Velokilometer, sondern ein sauberes Bett und eine Dusche, die nur auf uns warteten. Frisch geduscht und schon wieder einigermassen erholt trafen wir uns in der Hotel-Lobby und marschierten gleich los in Richtung Altstadt, da es Rolf vB nach der anstrengenden Führungsarbeit nach einem erfrischenden Bier gelüstete. Schon bald fanden wir ein gemütliches Strassencafé - doch die anschliessende Suche nach dem von der netten Réceptionistin wärmstens empfohlenen «Italiener» artete dann in eine veritable Stadtbesichtigung aus. Erst um 18 Uhr fanden wir das Lokal, das aber dummerweise - wie offensichtlich alle anderen Restaurants der Stadt - erst um 19 Uhr öffnete. Also nochmals eine Stunde mit Spazieren und einem zweitem Apéro totschlagen, was angesichts des Bärenhungers, den die drei Radler mangels einer geeigneten (offenen!) Verpflegungsmöglichkeit unterwegs hatten, eine echte Herausforderung war! Zudem gingen die Meinungen von Rolf H und den Radlern in Bezug auf das ideale Apéro-Lokal (sonnig und windstill gegen schattig und luftig) diametral auseinander, weshalb wir uns schlussendlich auf zwei Cafés aufteilten…Pünktlich um 19 Uhr öffnete dann der tatsächlich sehr gute «Italiener» seine Tore und wir genossen (alle wieder vereint) ein ausführliches Znacht mit viel Pasta und Pizza, um uns für die kommenden Tage zu stärken. Zurück im Hotel sehnten sich die meisten nach einer zeitigen Nachtruhe. Je nach Zimmergenosse und «dank» dem Feuerwerks-Geballere im benachbarten Park fiel die Schlafphase bei Einzelnen dann aber doch deutlich kürzer aus als erhofft…
Bereits ab 7 Uhr trudelten am nächsten Morgen, dem 15. Juli, alle nach und nach am Frühstücksbuffet ein. Entgegen den Wetterprognosen hatte sich der Himmel mit dicken Wolken überzogen und auch die Temperaturen hatten um einige Grade nachgegeben. Nichtsdestotrotz: Pünktlich um 8.30 Uhr hatte Heidi unser Auto vorgefahren, jeder verstaute sein Gepäck, die Velos wurden ein letztes Mal überprüft und aufgepumt, ich startete das Navi und nach dem obligaten Startfoto schwangen wir uns auf den Sattel und radelten los. Trotz exakter Routenangabe benötigten wir eine gute halbe Stunde, um aus dem (Einbahn-)Strassengewirr von Grenoble herauszufinden. Da nebst einsetzendem leichtem Regen auch noch ein zügiger Wind aufkam, kamen wir zwar stetig aber eher langsam voran. Südlich haltend, vorbei an Vizille trafen wir nach gut 26 Km ausgangs Séchilienne erstmals auf Heidi, die mit dem Begleitfahrzeug am Strassenrand auf uns wartete. Eine gute Gelegenheit, die Regenjacken abzugeben und einen kurzen Proviant- und Service-Stopp einzulegen, bevor es auf der ziemlich stark befahrenen Hauptverkehrsachse durch das Romanche-Tal weiterging. Nach weiteren 25 Km erreichten wir mit Le Bourg-d’Oisans den ersten Etappenort des Tages, das sogenannte Tor zur Alpe d’Huez. Weil es zeitlich gerade so gut passte, legten wir eine Mittagspause ein und genehmigten uns das Tagesmenü (Kotelett an Morchelsosse mit Kartoffelgratin) oder einen grosszügigen Teller Pasta – ein grosser Fehler, denn das Essen und der reichlich verwendete Knoblauch machten sich noch den ganzen Nachmittag bemerkbar! Dann hiess es, nochmals die Bidons aufzufüllen und auf ging es zum heutigen Höhepunkt: Auf 13 Kilometern erklommen wir, jeder in seinem Tempo und mit mehr oder weniger Foto-Halten unterwegs, die 1'130 Höhenmeter in 21 Spitzkehren, die alle einer Radsportlegende gewidmet sind, bis hinauf nach Alpe d’Huez. Die «Bergankunft der Bergankünfte» ist – vor allem im Sommer – ein ziemlich unspektakulärer Wintersportort, der seinen Mythos einzig auf die wiederholte Bergankunft an der Tour de France gründet. Der erste Sieger 1953 hiess übrigens Fausto Coppi, der im gleichen Jahr bereits die Bergankunft auf dem Stilfserjoch («unserem» letztjährigen Pass!) am Giro d’Italia nach einem Höllenritt den Berg hinauf für sich entschied…Den heutigen Etappensieg schien Mike für sich entscheiden zu wollen. Schon bald nach dem Start führte er das Feld an, wobei ihm zugute kam, dass er einerseits unterwegs keinen Foto-Halt einschaltete und andererseits als einziger zum Lunch lediglich ein Stück Kuchen verspiesen hatte…Ich folgte an zweiter Position, gefolgt von Rolf H und Andy, die sich gegenseitig abwechselten. Rolf vB übernahm den Schluss. Bei ihm machten sich gegen Ende des Aufstiegs die letzten beiden doch recht anspruchsvollen Tagesetappen als Tourenleiter bemerkbar und auch sein verhältnismässig schweres Tourenvelo wollte die Steigungen heute einfach nicht so richtig nehmen. So fällte er den weisen Entscheid, seine schon am Morgen reservierte Option auf einen Platz im Begleitfahrzeug einzulösen, verlud sein Velo und fuhr mit Heidi die letzten zwei Kilometer bis zur Bergankunft hinauf. Heidi hatte unterwegs in regelmässigen Abständen gehalten – was an dieser Strecke nicht immer ganz einfach war -, um uns den Puls zu fühlen und unsere Leistung im Bild festzuhalten. Nun also erreichte sie mit Rolf vB kurz nach mir das Ziel auf 1'815 m.ü.M. und wenig später folgten auch schon Rolf H und Andy. Allerdings fehlte da noch einer – weit und breit keine Spur von Mike! Nachdem wir unsere Kleider gewechselt, die Jacken montiert und die Bidons nochmals aufgefüllt hatten, wären wir eigentlich für die Weiterfahrt bereit gewesen. Da die Sonne sich den ganzen Tag nie wirklich gross gezeigt hatte, wurde es langsam frisch und ausserdem lief uns die Zeit davon… Also beschlossen Rolf H, Andy und ich, nicht länger zu warten, auf das gemeinsame «Gipfelfoto» zu verzichten und die Abfahrt über den Col de Sarenne in Angriff zu nehmen. Diese Strecke ist nur in den Sommermonaten und «auf eigene Gefahr» befahrbar. Ausserdem liegt Alpe d’Huez zwar nur 140 m niedriger als der Col de Sarenne, aber eine Gegensteigung von ca. 300 m kann die Weiterfahrt zur Strapaze werden lassen, zumal wenn man schon genug Höhenmeter in den Beinen hat… 
Rolf vB entschied sich, bei Heidi zu bleiben und zusammen kehrten sie nochmals nach Alpe d’Huez zurück, nachdem sie uns zuvor noch bis zum Einstieg in den nicht ganz einfach zu findenden Weg zum Sarenne begleitet hatten. Die beiden suchten also nochmals den ganzen, ziemlich weitläufigen Wintersportort nach Mike ab, der auf keinen unserer Handyanrufe reagiert und auch sonst nicht auf sich aufmerksam gemacht hatte. Einem Bauchgefühl gehorchend entschied sich Heidi eine Nebenstrasse hoch zu fahren, die sie bei früheren Suchfahrten ausgelassen hatten, und wer kam ihnen entgegen? Mike, dem man die Erleichterung deutlich anmerkte, als er endlich wieder ein paar bekannte Gesichter sah. Er war zuvor eine gute Stunde kreuz und quer durch den Ort gekurvt, immer auf der Suche nach dem Ziel, an dem er schon längstens achtlos vorbeigefahren war. Heidi und Rolf vB statteten Mike mit Kleidern und Getränken aus und dieser packte sein Handy und Geld ein, die er am Morgen mit dem Gepäck im Auto verstaut hatte (kein Wunder, dass er unsere Anrufe nicht gehört hat!). Auf die Frage, was er denn unternommen hätte, wenn unser Begleittrupp ihn nicht gefunden hätte, antwortete er «dann wäre ich zurück nach Grenoble gefahren, da kenne ich jemanden!» - wäre wohl keine so gute Idee gewesen, so ohne Handy und Geld?! Um weitere Verzögerungen zu vermeiden und damit Mike nicht nochmals verloren gehe, fuhr Heidi ihm mit dem Auto voraus und geleitete ihn, an jeder Abzweigung sorgfältig wartend bis zur Abfahrt zum Col de Sarenne, von wo aus er sich eigentlich nicht mehr verfahren sollte. Kurz vor der Passhöhe auf 1'999 m.ü.M. holten Heidi und Rolf vB uns drei Vorausgefahrenen dann wieder ein. Der Wind hatte stark aufgefrischt und blies uns erbarmungslos entgegen. Rolf H, der mit Krämpfen zu kämpfen hatte, und Andy streckten die Waffen und schoben ihre Drahtesel die letzten Meter bis zum Gipfel, was mir der Kopf nicht zugab! So traf ich als erster oben ein und stellte mich dankbar in den Windschatten, den unser Begleitfahrzeug bot. Dort kurierten wir Rolf H’s Krampf aus (ein Hoch auf die mitgeführte Tube Senf!), füllten nochmal unsere Bidons und stürzten uns beruhigt im Wissen darüber, dass Mike wieder aufgetaucht war, in die letzte Abfahrt des heutigen Tages: Knapp 10 kurvenreiche Kilometer über Mizoën hinunter bis zum Chambon-Stausee. Dort unten war von den arktischen Winden auf dem Col de Sarenne nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil kamen wir auf den letzten, nun wieder kontinuierlich um nochmals 650 Höhenmeter ansteigenden 15 Km - wie bereits am Vormittag dem Romanche-Tal folgend - wieder ziemlich ins Schwitzen. Angesichts der zurückliegenden Strapazen rollten wir deshalb sehr gemütlich unserem heutigen Tagesziel La Grave entgegen, so dass Mike uns wieder einholen und unser Begleitfahrzeug uns überholen konnte. Heidi hatte auf dem Col de Sarenne das Steuer Rolf vB überlassen, was sich besonders bei der Suche nach unserem etwas versteckt gelegenen Hotel Edelweiss in den schmalen Gassen von La Grave als sehr positiv erwies. Dank der guten Vorbereitung unserer Begleiter konnten wir nach 98 ziemlich beschwerlichen Kilometern und über 2'500 Höhenmetern je zu dritt eine veritable Ferienwohnung in einem schönen, traditionellen Steinhaus beziehen, eine erfrischende Dusche geniessen und anschliessend nach dem obligaten Apéro-Bier ein feines 3-Gang-Menü verspeisen. Diesmal verzichteten wir allerdings einstimmig auf einen Verdauungspaziergang und fielen bereits um 22 Uhr völlig gerädert ins Bett… 
Der Dienstag, 16. Juli, präsentierte sich bilderbuchmässig: kein Wölkchen war zu sehen und die Sonne schien von einem stahlblauen Himmel direkt in den Frühstücksraum unseres Hotel Edelweiss. Wieder waren wir früh aufgestanden und stärkten uns am Buffet für die zweite Runde unserer Pässefahrt. Bereits sehr routiniert verstauten wir unsere Siebensachen im Auto und setzten uns kurz nach 9 Uhr in Bewegung. Diesmal war auch Rolf vB wieder mit von der Partie, der sich erstaunlich schnell von seinem Formtief erholt hatte. Kaum hatten wir La Grave hinter uns gelassen, begann die Strasse auch schon anzusteigen. Aber da wir den grössten Teil des Aufstiegs bis zum Col de Lautaret bereits am Vortag auf dem Weg nach La Grave hinter uns gebracht hatten, waren die ersten 12 Km des heutigen Tages mit etwas über 300 Höhenmetern eher ein lockeres Einrollen. Die Passhöhe auf 2'058 m.ü.M. erreichte ich diesmal als erster. Mike hielt sich vornehm zurück, vermutlich weil er sich nicht schon wieder verfahren wollte…Danach folgten Rolf vB, Andy und Rolf H und nach einem stärkenden Kaffeehalt nahmen wir die heutige Pièce de Récistance in Angriff: fast 700 Höhenmeter, verteilt auf 8 Km standen uns bis zum Col du Galibier bevor. Zusammen mit Hunderten weiteren Velofahrern aller Couleur, Töfffahrern en masse sowie zahlreichen Motorhomes und anderen motorisierten Vehikeln schraubten wir uns bei regem Gegenverkehr in die Höhe. Glücklicherweise benützte der Grossteil der Automobilisten den Scheiteltunnel, der unter dem Gipfel hindurchführte und überliess den letzten Kilometer bis zur eigentlichen Passhöhe den Zweiradfahrern. Vorbei am Monument Henri Desgranges, das zu Ehren des Gründers der Tour de France am Südportal des Scheiteltunnels errichtet wurde, erklommen wir diesen besonderen Kilometer, der an Steilheit und Enge eindeutig alles Bisherige in den Schatten stellte und noch einmal alles von uns abverlangte. In der gleichen Reihenfolge wie auf dem Col de Lautaret erreichten wir mit dem Col du Galibier auf 2'642 m.ü.M. den höchsten Punkt des heutigen Tages, der hoffnungslos überfüllt war. Heidi fand kaum einen Parkplatz und wir mussten richtiggegehend Schlange stehen, bis wir endlich unser Gipfelfoto aufnehmen konnten. Nichtsdestotrotz: Es war ein herrliches Gefühl, nach dieser Anstrengung ALLE zusammen auf dem Gipfel des fünfthöchsten asphaltierten Alpenpasses zu stehen und die wunderbare, hochalpine Landschaft zu bestaunen. Nachdem die Franzosen (wohlweislich?) auf dem Galibier keinen Kiosk oder so aufgestellt hatten, zogen wir unsere Jacken an, schwangen uns auf die Räder und genossen eine herrliche, über 16 Km lange Abfahrt hinunter nach Valloire. Dieser wunderschön gelegene Wintersportort war aber fast ebenso stark überlaufen wie bei uns St. Moritz, so dass wir unsere Fahrt zügig fortsetzten, nochmals 300 Höhenmeter in einer Gegensteigung anhängten und so schliesslich noch den Col du Télégraphe mit seinen schon fast bescheidenen 1'566 m.ü.M. erklommen. Auf der Passhöhe ergatterten wir einen lauschigen Tisch im Schatten, wo wir endlich nebst der Aussicht auch ein kühles Getränk geniessen konnten. Die Pause wurde dann allerdings unfreiwillig verlängert, weil Heidi beim Parkieren ausgerechnet den Tesla eines norwegischen Pärchens touchierte – shit happens! Trotz diesem blöden Intermezzo traten wir wohlgemut die letzte fast 6 Km lange Abfahrt bis St-Michel-de-Maurienne an, wo wir mangels eines Radweges der vor Hitze sengenden Haupstrasse (wieder einmal) voll gegen den Wind bis zum heutigen Etappenort St-Jean-de-Maurienne folgten. Nach insgesamt 67 Km und fast 1'500 Höhenmetern erreichten wir dieses offensichtlich ziemlich veloverrückte Städtchen, das schon sechs Mal Ankunfts- oder Start-Ort der Tour de France war. Und auch dieses Jahr sollte hier der Tourtross am 26. Juli auf die 19. Etappe via Col de la Madeleine und Col de l’Iseran nach Tignes geschickt werden. Wobei das Rennen erstmals in der über 100-jährigen Geschichte der Tour vorzeitig kurz vor Val-d’Isère gestoppt werden sollte, weil ein heftiger Hagelschauer und nachrutschende Schlammmassen eine Weiterfahrt verunmöglichten. Da hatten wir doch eindeutig die besseren Verhältnisse…
Unseren letzten Abend, den wir zu sechst verbrachten, läuteten wir nach der obligaten Dusche mit einem Stadtspaziergang zum ersten Apéro ein. Diesmal hatte Rolf vB drei Doppelzimmer im Hotel de l’Europe für uns reserviert. Der Besitzer war ein echter Velo-Fan, der für uns Radfahrer Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt hätte (sprich: Tricots waschen, Bidons auffüllen und was der Annehmlichkeiten mehr wären), sofern wir nur mit der Wimper gezuckt hätten. So begnügten wir uns aber mit einem leckeren und sehr ausgiebigen 3-Gang-Menü zum Znacht zu einem Freundschaftspreis, für den in der Schweiz gerade mal eine Suppe drin gelegen hätte… Noch einmal ein bisschen um die Häuser getigert und dann ging’s ab in die Federn, schliesslich wollten Rolf vB, Mike und Andy am nächsten Tag die Heimreise wieder mit ihren Rädern unter Volllast antreten, weshalb eine ordentliche Mütze Schlaf sicher nicht schaden konnte.
Da wir uns schon daran gewöhnt hatten, fanden sich am Mittwoch, 17. Juli, wieder alle ab 7 Uhr zum letzten gemeinsamen Zmorge ein. Nach einer letzten ordentlichen Stärkung mit Croissants und Kaffee standen Rolf vB und Andy auch schon mit ihren fixfertig gepackten Drahteseln bereit zur Abfahrt. Wer das Getriebe aber wieder etwas in Stottern brachte, war Mike, der sein Velo erst wieder für die anstehende Sack- und Pack-Heimfahrt zusammenbauen, d.h. den Gepäckträger anschrauben musste… Rolf H, Heidi und ich winkten den in einen weiteren herrlichen Sommertag Davonradelnden nach, dann fuhren wir mit dem Auto los und erreichten nach einer gemütlichen Fahrt entlang dem Lac d’Annecy und einem ausgiebigen Mittagshalt im wirklich bezaubernden gleichnamigen Städtchen am frühen Abend wieder wohlbehalten und ohne Zwischenfälle heimatliche Gefilde.
Auch Rolf vB und seine Mannen hatten für den Rückweg nach Genf diese Route gewählt. Dank zügigem Rückenwind erreichten die drei fast wie im Flug – zumindest  die hinter Rolf fahrenden Mike und Andy – nach knapp zwei Stunden Albertville. Gerade rechtzeitig für eine kleine Stadtrundfahrt mit Mittagspause. Vorbei an Ugine ging es am Nachmittag dann weiter auf einem super schönen und flachen (!) Radweg, bis sie in Duingt mit seinem malerischen Schlösschen direkt an den Gestaden des Lac d’Annecy ihr letztes Nachtlokal erreichten und nach 85 Km Tagesleistung endlich das zu Beginn unserer Tortour verpasste, erfrischende Bad im warmen See geniessen konnten. Die allerletzten 60 Km bis Genf wurden dann am Donnerstag, 18. Juli, mit der Fahrt über den Genfer Hausberg Mont Salève abgerundet, was insgesamt weitere 900 Höhenmeter bedeutete. Bereits Anfang Nachmittag erwischten die drei den IC Richtung Zürich und drei erholsame Zug-Stunden später genossen sie schon ihr Abschluss-Bier im «Sofra» und stellten sich vermutlich die Frage, wohin wohl die nächste Pässefahrt gehen könnte?
Zu guter Letzt: Ganz herzlichen Dank an Rolf vB für Idee, Planung und Organisation der Pässefahrt 2019 und an Heidi für’s Chauffieren des Begleitfahrzeugs, was unseren Aktions-Radius enorm erweitert hat. Ein besonders herzliches Dankeschön geht aber an alle meine Mitstreiter zusammen für ihren Einsatz und den Durchhaltewillen an der diesjährigen «Tortour», ihre gute Kameradschaft und die trotz einiger Unannehmlichkeiten immer sehr gute und fröhliche Stimmung – hoffentlich auf ein nächstes Mal!
Euer Hans-Peter Bratschi

Bericht zur Toskana-Trainingswoche 2019 von Hans-Peter Bratschi
Nach einem längeren Unterbruch sollte unsere diesjährige Trainingswoche vom 27. April bis 4. Mai 2019 auf vielseitigen Wunsch wieder einmal in der Toskana stattfinden. Röbi Giacomelli fand als Jung-Pensionär die nötige Zeit für die Organisation und so fanden sich am Freitag-Abend, 26.04.2019, bereits ab 20 Uhr nach und nach zehn bestens gelaunte VCS’ler auf dem CCA-Parkplatz in Spreitenbach ein. In alphabetischer Reihenfolge waren dies: Christine und Hansjörg Baumann, Mateusz Bernady, Albert Blatter, meine Wenigkeit, unser Organisator Röbi Giacomelli, Rolf Hurter, Mike Matthews, Paul Rissi und last but not least Rolf von Burg.  
Auch der Gössi-Car stand schon frühzeitig bereit und nachdem wir unsere Sieben-Sachen ordentlich verstaut und auf Anweisung der sympathischen Bordhostess Jeanette unsere vorreservierten Plätze eingenommen hatten, setzte er sich – ebenfalls 5 Minuten vor der Zeit – in Bewegung. Im Rückspiegel sahen wir noch Heidi Bratschi, Ruth Giacomelli und Frau Bernady winken. Sie hatten ihre jeweils besseren Hälften bis zum Car begleitet und freuten sich nun wohl auf eine ruhige Woche ohne uns…
Im Verlaufe von vier Zwischenhalten füllte sich der Car nach und nach fast bis auf den letzten Platz. Die meisten von uns hatten sich schon schnell häuslich eingerichtet und sind nach einem Feierabendbier friedlich eingeschlafen. Da Hansjörg, Röbi und ich aber noch keinen Schlaf fanden, vertrieben wir uns die Zeit etwas im Bord-Bistro oder plauderten mit Jeanette. Spätestens nach dem letzten „Service-Halt“ in Nord-Italien, den wir nach einer problemlosen Gotthard-Tunnel-Passage kurz nach Mitternacht erreichten, tauchten aber auch wir ins Reich der Träume ab. Albert Blatter erwies sich dabei als äusserst angenehmer Sitznachbar, der sich während der ganzen Fahrt kaum bewegte…
Nach 11 Stunden Fahrt erreichten wir – etwas gerädert, aber voller Vorfreude - am Samstag-Vormittag bei schönem Wetter und angenehmen Temperaturen das Park Hotel Marinetta in Marina di Bibbona. Für einige von uns war es ein Wiedersehen, hatten wir doch schon in den Jahren 2010 und 2011 hier unsere Veloferien verbracht. Viel schien sich seither nicht verändert zu haben, ausser, dass uns diesmal ein richtig grosses Empfangskomitee, bestehend aus Ruth und Andy Haller, Ursi und Jacky Treier sowie Claire und Eric Stutz erwartete. Sie waren jeweils mit ihren Privat-PW’s angereist, hatten schon ihre erste Nacht unter südlichen Sternen genossen und waren – im Gegensatz zu uns - entsprechend frisch und gut ausgeruht.
Nach einer willkommenen Stärkung am Frühstücks-Buffet konnten die meisten dank den vorsorglich separat mitgeführten Velosachen nur rasch das Tenü wechseln und bereits anfangs Nachmittag den Prolog unter die Räder nehmen. Andy hatte als Einstimmung für uns eine Super-Tour über Castagneto Carducci, Bolgheri und Cecina ausgearbeitet, die „meine“ etwas schnelleren Mitfahrer in 50 Km und „seine“ etwas gemütlicheren Fahrer nach einer 40 Km-Runde wieder wohlbehalten ins Hotel zurückführte. Wobei „wohlbehalten“ unterstrichen werden muss! Der Zustand der Strassen war stellenweise äusserst fragwürdig und ich glaube, bis Ende der Woche konnte jeder von uns über sein ganz persönliches „Loch-Ausweich-Manöver-Abenteuer“ eine Geschichte erzählen… Nachdem wir unsere Zimmer bezogen, uns häuslich eingerichtet und uns mit den jeweiligen Zimmergenossen arrangiert hatten, fanden die meisten den Weg zum leider etwas abseits gelegenen Strand-Café, um sich den ersten „Gländer“-Drink zu gönnen. Nach dem ersten feinen Buffet-Znacht und einem Schlumi an der Hotel-Bar war dann aber ziemlich schnell allgemeines Lichterlöschen angesagt. Schliesslich hatte Andy noch einiges mit uns vor…
Am Sonntag-Morgen erwartete uns starke Bewölkung. Da auch die Temperaturen eher im unteren Bereich verharrten, verschoben wir unseren Tourenstart auf 10 Uhr 30. Dann aber nichts wie los auf die heutige 93 Km lange Tour! Bis zum Aufstieg nach Campiglia Marittima hatten wir bereits zahlreiche italienische Sonntagsfahrer überlebt, drei Rennen, die rund um Bibbona und Bolgheri stattfanden, umfahren, vereinzelte Garmin-Streckenabweichungen gemeistert und schliesslich den Sonntagsausflug eines Vespa-Clubs mit wahrscheinlich über 100 Teilnehmenden passieren lassen. Letztere waren ein wirklich fröhliches Völkchen, das uns mit viel Gehupe, Gejohle und Gewinke entgegenkam. Nach einem kurzen Fotohalt in Campiglia Marittima genossen wir eine rassige Abfahrt, garniert mit einem weiteren kleinen Garmin-U-Turn. Meine Hochachtung vor Andys Garmin-Kenntnissen stieg mit jedem Umweg weiter an…. Entweder beherrscht er das Navi wirklich bis ins Detail, oder dann lässt er sich nie etwas anmerken, wenn das Teil ihn in die Irre geführt hat… Nebst meinen kleinen Streckenänderungen sorgten aber auch meine Mitfahrer für Unterbrechungen. So klingelte mitten in einer schönen Abfahrt das Handy von Rolf vB und einer seiner Brüder erkundigte sich nach seinem Wohlbefinden und etwas später kam uns auch der Vespa-Club wieder mit viel Lärmen und Winken entgegen… Als wir den Aufstieg nach Populonia Alta bei kräftigem Gegenwind in Angriff nahmen, nutzte Paul unsere kurze Unaufmerksamkeit und startete einen Angriff, der aber sogleich von Rolf vB gekontert wurde. Mike und Mateusz ergriffen ebenfalls die Gelegenheit und folgten den beiden auf dem Fuss. Rolf vB liess aber mit einem starken Antritt alle stehen und entschwand meinen und Rolf H‘s Blicken, als wir den Flüchtlingen ihren Spass liessen und gemütlich in die Höhe radelten. Doch plötzlich tauchte Rolf vB wie aus dem Nichts aus einem Versteck am Strassenrand auf und begleitete uns lachend hinauf bis Populonia Alta, wo die beiden M’s schon auf uns warteten und die herrliche Aussicht bis zum Meer genossen. Die historische Festungsanlage wäre sicher einen vertieften Besuch wert gewesen, zumal die Sonne zwischenzeitlich von einem fast wolkenlosen Himmel schien. Aber nachdem das einzige offene Restaurant uns nur in Begleitung eines Essens etwas zu trinken verkaufen wollte, stiegen wir wieder auf unsere Räder und fuhren rassig ans Meer hinunter. Unterwegs kam uns Hansjörg Baumann entgegen, der als Stärkster der Andy-Gruppe den Populonia-Berg ebenfalls noch erklimmen wollte. Unten angekommen trafen wir dann in einem gemütlichen Ristorante auf Andy und seine Mitstreiter Jacky, Ursi, Albert, Röbi und Christine (Claire und Eric hatten schon etwas früher den Heimweg angetreten). Sie hatten die gleiche Strecke wie wir – allerdings ohne Umwege – abgefahren. Endlich konnten auch wir unseren Hunger und Durst mit Sandwiches, Kuchen, Gipfeli, frischen Erdbeeren (!) und ganz viel Caffè und Cola stillen. Nachdem Hansjörg von seinem Gipfel-Ausflug zurückkam, trat die Andy-Gruppe den 33 Km langen Heimweg nach Bibbona an und wir folgten ca. 10 – 15 Minuten später. Dass wir Andy erst kurz vor dem Ziel einholten, zeigt deutlich, wie rassig die angeblich „langsamere“ VCS-Gruppe unterwegs war… Beim anschliessenden, individuellen Erholungsprogramm, das je nach Gusto aus Bier, Pool oder Liegestuhl bestand, gesellte sich auch Ruth Haller wieder zu uns, die sich als einzige Nichtvelofahrerin ein Spezialprogramm zurechtgelegt hatte. Nach dem Abendessen und einem kurzen Bar-Besuch zogen sich alle in ihre Zimmer zurück, um ein paar Stunden erholsamen Schlaf zu geniessen. Fast alle, denn Jacky und Ursi wurden mitten in der Nacht von wummernden Bässen aus ihren Träumen gerissen. Dass sich ihr Zimmer ausgerechnet über dem Festsaal des Hotels befand, in dem bis in die frühen Morgenstunden eine ausschweifende Hochzeit gefeiert wurde, stellte sich als äusserst unangenehm heraus, zumal kein einziges anderes Zimmer mehr verfügbar war…
Auch meine wohlverdiente Nachtruhe wurde jäh unterbrochen, als Rolf H mitten in der Nacht das Badezimmer aufsuchen musste. Da ich nun schon mal wach war, prüfte ich auf unserem Mini-Balkon (höchstens 1,5 m2!) die aktuelle Wetterlage und stellte kräftige Regenwolken fest. Rolf meinte, dass er die am Tag vorher auch schon gesehen hatte und ich erwiderte, dass das andere Wolken gewesen sein müssten. „Natürlich sind das heute andere Wolken, denn die von gestern sind ja weg…“ war seine lakonische Antwort. Leider machten die Wolken an diesem Montag-Morgen keine Anstalten, sich zu verziehen und als wir beim Frühstück sassen, ergoss sich ein kräftiges Gewitter mit Blitz und Donner und sogar etwas Hagel über unseren Häuptern. Wir nutzten die Gelegenheit und verlängerten die Frühstücks-Sitzung mit etlichen zusätzlichen Cappucini und Caffè Latte und ausgiebigen Diskussionen über die verschiedenen Möglichkeiten für den weiteren Tagesverlauf. Da es für einen Ruhetag eigentlich noch zu früh war, trotzten neun ganz unentwegte Radler dem Wetter und brachen schliesslich um 11 Uhr 30 zu einer kurzen Tour auf, während die beiden Rolfs einen Spaziergang unternahmen und Mateusz und ich joggen gingen. So als kleine Trainingseinheit für einen Waffenlauf am kommenden Sonntag, kam mir das gerade recht… Auf unserer Jogging-Runde trafen wir zwei Typen, die uns irgendwie an die zwei Alten auf dem Balkon in der legendären Muppet-Show erinnerten… Nach einer erfrischenden Dusche bezogen wir unter den Regenschirmen an der Pool-Bar Stellung und genossen einen kleinen Apéro mit den beiden Rolfs, die sich zwischenzeitlich zu uns gesellt hatten. Dann konnten wir von unserem Logenplatz aus gemütlich zusehen, wie die ursprünglich als Gruppe gestarteten Velofahrer nun leicht durchnässt als kleineres Häufchen, als Einzelfahrer und wieder als Häufchen nach und nach im Hotel eintrafen. Leider hatte Albert an seinem E-Bike einen Platten zu beklagen, der dummerweise nicht geflickt werden konnte. Dank Ersatzluft aus der Patrone war er aber wenigstens noch in der Lage, aus eigener Kraft nach Hause zu fahren. Da das „Gländer“ wegen den immer noch ziemlich kühlen Temperaturen niemanden wirklich reizte, trafen wir uns erst wieder zum Znacht, wo wir unsere sehr individuellen Tages-Erlebnisse austauschten.
Am Dienstag zeigte sich erfreulicherweise wieder die Sonne. Einzelne VCS’ler machten zu Fuss oder mit dem Taxi einen Ausflug nach Cecina an den Markt und „meine“ Velo-Truppe startete um 10 Uhr 30 zu einer weiteren, von Andy mit viel Sorgfalt ausgetüftelten, 73 Km langen Ausfahrt. Zunächst radelten wir im weitesten Sinn dem Meer entlang über Cecina nach Vada, von wo wir über Rosignano ins Hinterland abbogen. Über Pomaia, Castellina Marittima und Riparbella ging es dann in einem grossen, ziemlich coupierten Bogen zurück nach Bibbona. Die vergleichsweise geringe Streckenlänge soll dabei nicht darüber hinwegtäuschen, dass Andy in seinen Touren immer mal wieder einen happigen Höger „eingebaut“ hatte, der auch Berggeissen wie Paul einiges abverlangte… Wieder zurück im Hotel zog es die meisten VCS’ler an die Bar am Meer, wo allerdings ein ziemlich kräftiger und vor allem frischer Wind wehte. Rolf H und ich zogen deshalb die etwas geschütztere Pool-Bar vor, von wo wir Mike und Mateusz beim Schwimmtraining zusehen konnten: Mateusz lehrte und Mike lernte – und zwar mit beachtlichem Erfolg! Bis zum Ende der Woche sollte Mike seinen Schwimmstil so deutlich verbessern, dass er glatt an einem Wettkampf hätte teilnehmen können – und nicht einmal letzter geworden wäre! Auch an diesem Abend gönnten wir uns nach dem wirklich üppigen Buffet-Znacht ein kleines Verdauerli oder einen Espresso con Crappa oder con Ramazzotti oder con was auch immer an der Hotel-Bar. So könnte es ewig weitergehen!
Wie üblich eröffneten wir den Mittwoch am Frühstücksbuffet (als hätte es am Abend zuvor nicht genug zu essen gegeben…), bevor wir eine weitere Tour aus Andys reichem Fundus in Angriff nahmen. Er hatte wirklich hervorragende Vorarbeit geleistet! Ich brauchte nur eine Tour auszusuchen, unser Technik-Freak Jacky lud sie auf mein Garmin und los ging’s. Zur Feier des heutigen 1. Mai hatte sich Rolf vB in sein Maglia Rosa geworfen. Mit einem solch‘ starken Fahrer in unserer Gruppe machten wir uns auf eine rassige Tour gefasst, weshalb wir der Andy-Gruppe sicherheitshalber eine halbe Stunde Vorsprung gaben. Ziemlich überraschend holten wir Andy aber bereits nach 22 Km ein. Hatten wir vielleicht einmal mehr irgendeinen Umweg ausgelassen? Nein! Er sass mit seinen Schäfchen einfach schon beim ersten Kaffeehalt… Wir mochten Andys Team diese Genuss-Pause von Herzen gönnen, zogen aber dann doch weiter über die sogenannte Traumstrasse der Toskana, die uns über das (natürlich!) auf einem Hügel gelegene Sassetta via Suvereto und Campiglia Marittima vorbei an Riotorto bis zur Piombino führte. Nach ca. 44 Km Fahrt beklagte sich Mateusz über Hungergefühle und wünschte nachdrücklich einen Essens-Stop. Da auch ich einem kleinen Espresso (vor allem dem echt italienischen) nie abgeneigt bin, sicherte ich sofort einen Halt bei nächster Gelegenheit zu. Wir setzten unsere Fahrt fort, Kilometer um Kilometer, mal mit, mal gegen den Wind, aber immer auf der Suche nach einem Caffè oder Ristorante oder … Wir waren wirklich nicht wählerisch, aber es kam einfach keine Gaststätte in Sicht! Einmal übernahm Paul die Führung und kurz darauf zeigte sich auch das Maglia Rosa bzw. Rolf vB in Front. Und siehe da! Kauf hatte Rolf vB die Führung übernommen, gab’s einen scharfen Halt und nach über 60 Km, gerade noch rechtzeitig bevor Mateusz entkräftet vom Rad fiel, machten wir endlich ein Restaurant ausfindig. Wir genossen die verdiente Pause, verpflegten uns ausgiebig und dachten dabei an die Andy-Gruppe, die etwas schlauer war als wir und beizeiten eingekehrt war… 
Bestens gestärkt machten wir uns schliesslich auf bekannten Wegen auf den Heimweg zurück nach Bibbona. Wir waren kaum 10 Km gefahren, als es von hinten „Halt!“ tönte. Anscheinend hatte Paul etwas verloren, allerdings blieb seine Suche trotz der Hilfe von Rolf H erfolglos. Nachdem Paul nichts an seinem Superrenner vermisste, gingen wir davon aus, dass er einer Fata Morgana aufgesessen war und fuhren weiter. Doch schon bald kam der nächste „Halt!“-Ruf von hinten. Dem hinter Paul herfahrenden Rolf H war aufgefallen, dass Paul ungewöhnlich schräg auf seinem Sattel sass. Und auch da erkannten wir übrigen, was Paul zuvor verloren hatte: ein Teil der Sattelstreben an seinem beinahe nigelnagelneuen Renner war abgebrochen und lag jetzt irgendwo in einem toskanischen Strassengraben, während Paul überlegte, ob er mit diesem Defekt überhaupt noch weiterfahren könne. Wegen des 1.-Mai-Feiertags gingen wir davon aus, dass sowieso kein Velogeschäft offen hat und so beschlossen wir, alle zusammen gemütlich nach Hause zu fahren. Wir unternahmen sogar noch einen kleinen Umweg zu einem wunderbar blühenden Kaktus, bevor wir nach 104 und trotz allem wunderschönen Kilometern unser Ziel erreichten. Und damit sogar Pauls Wunsch nach einem „Hunderter“ erfüllt hatten. Sehr zufrieden mit Ihrer Leistung zogen meine Mitstreiter an ihre bevorzugten Ruheplätze, um sich die wohlverdiente Erholung zu gönnen. So gestärkt trafen wir uns dann wie üblich am Abendessen-Buffet mit der Andy-Truppe und berichteten einander von unseren Erlebnissen.
Der Donnerstag kündigte sich mit schönem, etwas wolkigem Wetter an – ideal für eine weitere, längere Velotour. Heute standen Casale Marittimo und Monteverdi Marittimo auf dem Programm und dazwischen das sehr malerisch auf einem Hügel (wer hätte das gedacht!) gelegene Sassa. Andy war mit seinen Fahrern schon etwas früher aufgebrochen und wir nahmen zügig die Verfolgung auf. Auf der endlich einmal nahezu schlaglochfreien Strasse mit einer perfekten Steigung kamen wir hervorragend voran – oder lag das schon am deutlich verbesserten Trainingsstand? Am Abzweig nach Sassa angekommen, empfing uns die Andy-Gruppe mit einer tollen Olà-Welle und schickte uns gleich weiter zum 6 Km langen Aufstieg hinauf nach Sassa, den wir in Rekordzeit erklommen. Oben angekommen genossen wir die wirklich herrliche Aussicht. Leider blieb Mikes Suche nach einem Ristorante (einmal mehr) erfolglos, sodass wir rechtsumkehrt machten und die gleiche Strasse wieder hinunterflitzten. Unten hatte die Andy-Gruppe bereits in einem schmucken Café Stellung bezogen und wir freuten uns über die Pause und die von Hansjörg offerierte Tranksame. Gut gestärkt traten wir anschliessend den doch noch etwas längeren, durch eine schöne Landschaft führenden Heimweg über Monteverdi Marittimo an. Auf vielseitigen Wunsch (diesmal war nicht mein Garmin schuld) bogen wir kurz vor dem Ziel nach Bolgheri (in Rolf vB’s Worten: „Bulgarien“) ab, gönnten uns in einem der malerischen Cafés noch einen Espresso und bewältigten den Rest des Heimwegs via die Zypressenallee nach Bibbona in veritablem Renntempo.
Für unseren letzten „Velo-Tag“ am Freitag, hatten wir Tourenleiter ursprünglich eine gemeinsame Ausfahrt mit Gruppen-Foto-Halt unterwegs geplant. Doch leider wurde das Wetter mit leichtem Regen zur Frühstückszeit einmal mehr zum Spielverderber… Einige VCS’ler, die ihr Velofahr-Soll wohl schon mehr als erfüllt hatten, konnten sich nicht mehr für eine Ausfahrt begeistern und zogen es vor, den Wetterkapriolen in der Nähe des Hotels zu trotzen. Aber ein paar Unentwegte schwangen sich trotzdem auf ihre Drahtesel und eroberten in zwei Gruppen ein letztes Mal das malerische, toskanische Hinterland. Unter der Leitung von Claire radelte die erste Gruppe nach „Bulgarien“ Bolgheri und ich schloss mich zusammen mit Paul und Mateusz der von Hansjörg geführten Mini-Speedgruppe an, um noch einmal in flottem Tempo die schon beinahe lieb gewonnenen Hügel zu erklimmen. Fast 40 Km und mehr als 400 Höhenmeter kamen da nochmals zusammen. Zurück an der Pool-Bar im Hotel trafen wir dann auf unsere heutigen „Nichtfahrer“ und nach und nach fanden sich auch alle übrigen VCS’ler ein. Als letzten Apéro unter südlicher Sonne offerierte Jacky allen Mortadella mit Brot – ein sehr schmackhaftes und wirklich passendes Abschieds-Essen! 
Der bereits vertraute, abendliche Absacker an der Hotelbar geriet dann zum eigentlichen Abschieds-Trunk. Die mit dem eigenen PW angereisten Paare wollten anderntags beizeiten aufbrechen und verabschiedeten sich eines nach dem anderen von uns. Das war eine gute Gelegenheit, die letzte Woche noch einmal Revue passieren zu lassen: Exakt 435 Km standen am Schluss auf meinem Tacho. Einige brachten es auf mehr Kilometer, andere auf weniger. Aber was schlussendlich zählte, war, dass alle auf ihre Rechnung kamen und kein Unfall und nur ein geringer Materialschaden zu beklagen waren. An dieser Stelle danke ich ganz herzlich – und sicher auch im Namen aller Teilnehmenden – Andy Haller für seine wie gewohnt souveräne Tourenleitung und vor allem für die sorgfältige, einfach perfekte Ausarbeitung von sage und schreibe 41 möglichen Ausfahrten rund um Bibbona. Wir konnten in dieser Woche leider nur einen Bruchteil davon wirklich abfahren, aber dafür haben wir nun eine wertvolle Reserve, falls unsere Trainingswoche im kommenden Jahr wieder hier stattfinden sollte… Danke Andy für alles! 
Ein weiteres herzliches Dankeschön geht an Jacky für seine wertvolle technische Unterstützung bei meinen anfänglichen Garmin-Problemen und seine ansteckend gute Laune, die sogar die eine oder andere Regenwolke vertrieb. Und last but not least: Tausend Dank an Röbi Giacomelli für die Organisation unserer Velowoche und an alle Mitreisenden für Ihr aktives Mitmachen, die gute Stimmung und die tolle Kameradschaft!
Am Samstag, 4. Mai, hiess es dann auch für uns Car-Fahrer leider endgültig Abschied nehmen. Nach einem letzten stärkenden Frühstück holte uns der Gössi-Car mit einer leichten Verspätung vor dem Hotel ab. Bei schönstem Frühlingswetter verabschiedeten wir uns von der Toskana und liessen uns auf einer kurzweiligen Fahrt und ohne Stau Richtung Heimat chauffieren. Den zweiten Stop in Bellinzona konnten wir noch im T-Shirt geniessen, aber nach dem Gotthard wurden wir von starkem Schneegestöber und einem krassen Temperatursturz überrascht. Wir waren von der vergangenen Woche ja schon einiges an Wetterkapriolen gewohnt, aber dass uns bei unserer wohlbehaltenen Ankunft um 20 Uhr am CCA Spreitenbach ein schneebedeckter Heitersberg erwartete, war doch eher ungewöhnlich… 
Nichtsdestotrotz: Für die kommenden, hoffentlich sonnigen und angenehm warmen Ausflüge mit dem VCS sind wir nun bestens gerüstet. Nochmals Danke an alle, die diese Woche zu einem Erlebnis machten! Und ausserdem ein riesiges Merci für den überraschenden Gutschein – ich freue mich schon darauf, ihn mit Andy und unseren Damen zu verschnabulieren..!
Gruss, Hans-Peter Bratschi
Bericht zu den Bad-Saulgau-Tagen vom 8. bis 16. Juni 2019
Nach der erfolgreichen Première im letzten Jahr übernahm Hansjörg Feurer auch für 2019 die Organisation einer Velowoche im süddeutschen Bad Saulgau. Das Konzept mit einem Standort-Hotel und individueller An-/Abreise sowie Aufenthaltsdauer scheint einem grösseren Bedürfnis zu entsprechen, so dass sich auch dieses Mal wieder zahlreiche Clubmitglieder in die Teilnehmerliste eingetragen hatten. 
Da Heidis und mein Ferienvorrat nach den ausgiebigen Frühlingsferien schon ziemlich zusammengeschrumpft war und ich ausserdem am Samstag noch einen Waffenlauf absolvieren wollte, meldeten wir uns zunächst nur für die Nacht von Pfingstsonntag auf –Montag an. „Dank“ einer Absage ergatterten wir dann aber kurzfristig noch eine Zusatznacht von Samstag auf Sonntag, sodass wir bereits am Samstag-Nachmittag bei herrlichstem Frühsommerwetter die knapp zweistündige Fahrt von Killwangen über Schaffhausen, Stockach und Pfullendorf nach Bad Saulgau unter die (Auto-)Räder nahmen. 
Gegen 17 Uhr trafen wir im bereits vom letzten Jahr bekannten Hotel Ochsen ein, bezogen unser Zimmer und machten uns auf ins Städtchen, um den Abend mit ei-nem Apéro einzuläuten. Sehr weit kamen wir allerdings nicht, da uns bereits an der Réception Hansjörg und Denise Feurer, Jacky und Ursi Treier und Eric Stutz begeg-neten, die soeben vom „Gländer“ zurückkamen und uns einen kurzen Bericht über ihre heutige rund 40 Kilometer lange Einfahrrunde um den Federsee, zu der sie gegen 13 Uhr aufgebrochen waren, lieferten: Sehr gemütlich, sehr lustig, trotz der Sonne eher kühl und vor allem mit einem sehr schönen und erfrischenden Zwischenhalt. Ausserdem mit dabei waren Claire Stutz und Andy Haller. Andy und seine Ruth hatten etwas weniger Glück gehabt als wir und im „Ochsen“ leider keine Unterkunft mehr gefunden. Dafür logierten sie im sehr nahe gelegenen, überaus gediegenen Hotel Kleber Post. Offensichtlich auch keine schlechte Wahl, denn Heidi war nach ihrer Zimmer-Inspektion anlässlich unseres abendlichen Verdauungsspaziergangs voll des Lobes…
Doch zurück zu unseren Apéro-Plänen. Noch während wir am Hotelempfang plau-derten, gesellte sich Walti Tobler zu uns, der wegen eines Chauffeur-Weiterbildungs-kurses ebenfalls erst später angereist war. So marschierten wir zu dritt zum Marktplatz und genossen bei einem erfrischenden Bier die Zeit bis zum Abendessen, das wir gegen 19 Uhr im hoteleigenen Steakhouse einnahmen. Dazu gesellten sich auch Andy und Ruth Haller und etwas später stiess noch Thomas Grüebler dazu, der die Start-Aufstellung der diesjährigen Bad-Saulgau-Woche komplettierte. Mit einem feinen, vereinzelt vielleicht etwas gar fleischlastigen Menü stärkten wir uns für den Folgetag. Beim anschliessenden Verdauungsspaziergang lag dann noch ein Espresso oder für die Schleckmäuler unter uns ein feines Gelato drin. 
Am folgenden Morgen erwartete uns nebst einem schönen Zmorge-Buffet ein zwar von Schleierwolken überzogener, aber im Prinzip immer noch sonniger Himmel. Pünktlich um 10 Uhr waren die Radler startklar und formierten sich in zwei Gruppen hinter Andy und Walti einerseits und Hansjörg F. andererseits. Heidi konnte sich zunächst nicht recht entscheiden, hängte sich dann aber doch mutig an Hansjörgs Hinterrad und zusammen mit Jacky, Thomas und mir zog die sogenannt „stärkere“ Gruppe los. Noch keine 200 Meter vom Hotel entfernt meldete Thomas, dass sein (einziger!) Bidon rinne und entsorgte ihn kurzerhand. Hansjörg überliess ihm daraufhin einen von seinen zwei Bidons und wir zogen munter weiter. Knapp fünf Kilometer später sah ich, wie Heidi auf der Suche nach ihrem Bidon ins Leere griff und erkundigte mich nach dem Verbleib ihrer am Morgen im Hotelzimmer noch sorgfältig präparierten Trinkflaschen. Die Antwort kam prompt: Beide Flaschen standen noch friedlich im Hotel und warteten auf unsere Rückkehr. Also war Hilfe meinerseits gefordert und so wechselte auch einer meiner beiden Bidons den Halter. Bis zum (hoffentlich) geplanten Trinkhalt in der Streckenhälfte sollten wir es somit aushalten können, zumal der morgendliche Sonnenschein sich schon deutlich abgeschwächt hatte. 
Über schöne, verkehrsarme Strassen und Velowege schlängelte sich unsere Strecke über die leichten Hügel Oberschwabens. Kurz nach Ostrach, der einzigen Ortschaft, die wir bis dahin durchfahren mussten, erreichten wir ein kleines Naturschutzgebiet, wo nebst Störchen, die in Bad Saulgau besonders zahlreich anzutreffen sind, noch weitere (Wasser-)Vögel zu beobachten gewesen wären. Da der Himmel aber zwischenzeitlich komplett bedeckt war und sich gar keine Sonnenstrahlen mehr zeigten, zogen wir es vor, zügig weiterzufahren. Nach rund 28 Kilometern, bei einem scharfen Rechtsabzweig, der in einen etwas steileren Aufstieg mündete und deshalb entsprechend schwungvoll angefahren werden wollte, erschreckte plötzlich ein lauter Knall mit anschliessendem, vielsagendem Zischen meine Mitfahrer. Jackys Ruf „platt hinten links“ bremste uns dann endgültig aus... Mit vereinten Kräften wechselten wir den Schlauch an meinem Hinterrad und stellten fest, dass auch der Mantel einen ordentlichen Riss in der Seitenwand aufwies – da hatte ich wohl beim sportlich korrekten, steilen Anfahren der Kurve einen Stein erwischt, der ganze Arbeit geleistet hat! Nun galt es, den Schlauch wieder aufzupumpen. Doch trotz gemeinschaftlicher Anstrengungen und der Zuhilfenahme von zwei verschiedenen Velopumpen und einer Ventilverlängerung, die Hansjörg glücklicherweise zuunterst in seinem Münztäschli mitführte, brachten wir keinen gescheiten, meiner Gewichtsklasse angemessenen Druck in den Pneu. Mein Vorschlag, hier und jetzt allein umzukehren, wurde kategorisch abgelehnt und so meisterte ich den eingangs erwähnten Aufstieg eben mit halb plattem Pneu. Leider hielt sich auch der Genuss an den folgenden Abfahrten in sehr engen Grenzen – schlingerte es doch ganz bedenklich unter meinem Hinterteil…
Heidi, die sich in Hansjörgs Windschatten häuslich eingerichtet hatte, verkündete daraufhin, dass sie bei den Häusern und Bauernhöfen, die wir passierten, nach Velos Ausschau halten wolle. Dies in der zugegeben einigermassen logischen Meinung, dass „wo ein Velo sei, da auch eine gescheite Velopumpe“ zu erwarten sein sollte. Bei einem schönen Bauerngehöft wurde sie auch tatsächlich fündig – zumindest, was das Velo betraf. Ein sehr freundlicher und zuvorkommender Jungbauer, den wir wahrscheinlich direkt aus der Mittagspause geklingelt hatten, bot uns ohne Umschweife seine Hilfe an. Er hatte zwar dummerweise nicht wie erhofft eine Velopumpe zu bieten, dafür setzte er im Stallgebäude mit viel Getöse und Geratter einen schon ziemlich antiquierten Kompressor in Gang. Nach einer geraumen Weile hofften wir, dass der Kompressor genügend Druck aufgebaut habe, um meinen Pneu mit Luft zu füllen – doch Pustekuchen! Ausser einem lauen Lüftchen und einem letzten Röcheln sonderte er nicht viel ab. Und so verabschiedeten wir uns vom hilfsbereiten Bauern und zogen – leider – unverrichteter Dinge weiter. Zu allem Übel gab mein Hinterrad nach dem gescheiterten Pumpversuch nun auch noch bei jeder Umdrehung ein bedrohliches Knacken von sich, was mich weit mehr als der halb platte Pneu beunruhigte und meine Mitfahrer gehörig nervte… Radlager? Felge? Pedale? Alle gut gemeinten Diagnose-Versuche halfen nicht – es knackte fröhlich und lautstark weiter. 
Angesichts meiner technischen Probleme, des sich in unserer Fahrtrichtung bedrohlich verdunkelnden Himmels, des vom Bodensee her auffrischenden Windes und der ersten Regentropfen, retteten wir uns in ein nahes Waldstück und berieten uns über die weitere Streckenführung. Die Garmin-Navis von Hansjörg und Jacky, die uns zielsicher bis hierhergeführt hatten, wollten keine gescheiten Alternativen ausspucken und so taten wir, was jeder gute Pfadfinder in einer solchen Situation macht: Wir wendeten bei Kilometer 34 unsere Räder und kehrten um! In äusserst zügigem Tempo pedalten wir die exakt gleiche Strecke wieder zurück und erreichten – ohne weitere Regentropfen nach 68 Kilometern Bad Saulgau. Da wir nicht wussten, ob die Andy/Walti-Gruppe wie geplant ihre 72-Kilometer-Runde absolviert hatte, hängten wir sicherheitshalber noch eine kleine Zusatzschlaufe an und kurvten nach 77 Km am Marktplatz vorbei, wo die Easy-Gruppe bereits gemütlich ein Cüpli schlürfte. 52 Km standen auf ihrem Tacho – da hätten wir uns die Zusatz-Runde auch sparen können… Nachdem wir unsere Räder im Veloraum des Hotels verstaut hatten, gesellten wir uns zu den anderen ans „Gländer“. Wie wir hörten, war auch deren Rundkurs nicht ganz pannenfrei verlaufen. So rutschte Walti bei einem Service-Halt knapp 2 Km nach dem Start die Brille aus seinem Rucksack, was er erst beim nächsten Kaffeehalt bemerkte, als er die Getränkekarte nicht mehr entziffern konnte. Er liess sich davon aber nicht beirren, beendete die Tour und kehrte erst am Schluss nochmals mit Andy zur verhängnisvollen Stelle zurück, wo seine Brille geduldig wartend im Gebüsch lag…
Gerade noch rechtzeitig, bevor der Regen richtig loslegte, kehrten wir ins Hotel zu-rück. Dort wollte ich meinem Hinterrad einen neuen Mantel gönnen und den Pneu mittels einer ordentlichen Stand-Velopumpe endlich mit ausreichend Luft versorgen – doch auch dieser Versuch war erfolglos. Also Pneu wieder rausnehmen, prüfen und – wer hätte das gedacht - Loch feststellen! Zum Glück hatte ich noch einen zweiten Ersatzpneu dabei, doch der überstand nicht einmal das „Anpumpen“! Das durfte einfach nicht wahr sein! Zwei nigelnagelneue Pneus und beide mit Loch – da hatte sich die gesamte Veloausrüster-Branche wohl gegen mich verschworen… Beim Blick aus dem Fenster entdeckte Heidi den soeben vom „Gländer“ zurückgekehrten Walti und reagierte sofort. Treppe runtergesaust und Walti im Veloraum erwischt, der zwar kein Flickzeug, aber dafür einen Ersatzpneu mit etwas längerem Ventil zu bieten hatte. Leider war auch dieser Versuch nicht wirklich von Erfolg gekrönt, da das Ventil nicht lang genug für meine hohen Felgen war (hätte ich doch bloss ein „normales“ Velo mitgenommen…). Diesmal sauste Heidi die Treppen hoch und fragte bei Hansjörg F., ob er eventuell nochmals seine Ventilverlängerung ausleihen könne, die uns unterwegs ja schon einmal von Nutzen war. Hansjörg wollte sofort aushelfen, aber er konnte nicht – die Verlängerung war weg, verschwunden, unauffindbar. Nach sorgfältigem Überlegen kam er zum Schluss, dass das vermisste Teil eigentlich nur beim Bezahlen am „Gländer“ aus seinem Münzsäckli herausgefallen sein konnte… So auf die Schnelle musste aber ein anderer Ersatz her und der fand sich (Treppen hinunter gesaust) nach einigem Suchen im gut bestückten Werkzeugkoffer in Hansjörgs Auto. Treppen wieder hoch gesaust, Verlängerung montiert, gepumpt, PASST! Nach dieser Aufregung schnappten wir unsere Regenschirme und Heidi und ich marschieren nochmals zurück zum Marktplatz. An „unseren“ Tischen sassen zwischenzeitlich andere Gäste, die sich doch etwas wunderten, als wir auf allen Vieren den Boden unter den Tischen absuchten – und fündig wurden! Da lag die Ventilverlängerung doch tatsächlich in einer Fuge des Kopfsteinpflasters. Wir klaubten sie auf, bedankten uns bei den verdutzten Gästen und übergaben das wertvolle Teil seinem nicht minder überraschten Besitzer Hansjörg.
Nach dieser geballten Aufregung, die mindestens für eine ganze Velofahrwoche gereicht hätte, konnte ich endlich aufatmen und das folgende Znacht, das wir wiederum im Steakhouse Ochsen einnahmen, so richtig geniessen. Zwischenzeitlich waren auch Ruth und Röbi Giacomelli direkt von Bergün her angereist, wo sie am Pfingstwochenende an einem Dampflok-Festanlass teilgenommen hatten. Und noch eine weitere Überraschung wurde verkündet: Walti Tobler war gleichentags zum vierten Mal Grossvater geworden! Der neue kleine Erdenbürger heisst Nico und wurde von seinem Opa gleich gebührend beim VCS eingeführt – ganz herzlichen Dank an Walti für die überaus grosszügige Übernahme der Getränke an unserem Znacht! Beim anschliessenden Abendspaziergang musste dann zwar der leicht erhöhte Alkoholpegel mit Espressi und Gelati wieder etwas gesenkt werden…
Der folgende Pfingstmontag begann zwar bedeckt, aber immerhin hatte der nächtli-che Regen aufgehört und die Strassen waren trocken. So montierte ich noch vor dem Frühstück mein Problemrad, das bei uns im Zimmer übernachtet hatte, am Velo und drehte eine Runde ums Quartier. Genügend Druck im Pneu und keine komischen Geräusche mehr (wahrscheinlich hatten wir am Vortag den Spanner zu stark angezogen) – ich war beruhigt und sah der heutigen Tour zuversichtlich entgegen. Doch allzu lange sollte mein Optimismus nicht anhalten, denn kaum sassen wir beim Zmorge, öffneten sich auch schon die himmlischen Schleusen und es regnete. Zwar nicht in Strömen, aber doch so stark, dass bei uns Velofahrern keine rechte Begeisterung für eine Ausfahrt aufkommen wollte… Ruth und Andy Haller hatten schon am Vorabend entschieden, die Heimreise beizeiten anzutreten und verabschiedeten sich nach dem Frühstück. Auch Heidi und ich brachen unseren Bad-Saulgau-Aufenthalt etwas früher als geplant ab, packten unsere Siebensachen und machten uns auf den Heimweg. Als wir aufbrachen, hatten sich die meisten zurückbleibenden VCS’ler ein Alternativprogramm zurechtgelegt, das mehrheitlich Spaziergänge oder einen Aufenthalt im örtlichen Thermalbad vorsah. Einzig Walti hatte sich regenfest verpackt und nahm eine – nach eigener Aussage – kleinere Runde in Richtung Hohentengen in Angriff. 
Heidi und ich wollten auf dem Rückweg im historischen Städtchen Pfullendorf einen kurzen Kaffeehalt einschalten, den wir angesichts des strahlenden Sonnenscheins (komisches Wetter!) zu einer kleinen Stadtbesichtigung ausdehnten. Kaum sassen wir jedoch wieder im Auto, setzte auch schon wieder Regen ein, der uns – teilweise als ziemlich heftiger Gewitterguss – bis nach Hause begleiten sollte.
Im Verlaufe der folgenden Tage gesellten sich Hansjörg und Christine Baumann, Rolf und Linda von Burg sowie Johanna Höhn zur VCS-Stamm-Mannschaft und Claire und Eric Stutz sowie Walti Tobler reisten etwas früher als der Rest wieder ab. Mit anderen Worten: Ein Kommen und Gehen wie an einem richtigen Bahnhof, das aber tadellos funktionierte – muss wohl am Organisator liegen ;-)
Von Rolf von Burg und Jacky Treier vernahm ich, dass sich das Wetter glücklicher-weise etwas beruhigte und somit jeden Tag zumindest eine kurze Velotour unter-nommen werden konnte. Alles in allem gab es - ausser einem glücklicherweise glimpflich verlaufenen Sturz - keine weiteren Unglücksraben wie mich zu beklagen, so dass alle – von vereinzelten Unpässlichkeiten abgesehen – gesund und rundum zufrieden spätestens am Sonntag, 16. Juni 2019, wieder heimkehrten. An dieser Stelle nochmals vielen Dank an Hansjörg F. für die tadellose Organisation, die Tou-renleitung und die technische Unterstützung. Ein weiterer Dank gebührt Walti und Andy für die abwechslungsweise Leitung der Easy-Gruppe, sowie Jacky für seinen Einsatz an allen Ecken, wo Not am Manne war. Und last but not least: Ein Mega-Dankeschön an alle übrigen Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die dank ihrer guten Laune, ihrer Geduld und Hilfsbereitschaft die Bad-Saulgau-Woche wiederum zu einem wunderschönen Erlebnis gemacht haben.

Euer Hans-Peter Bratschi
Bericht über die Stilfserjochtour vom 15. bis 18. Juli 2018

Einmal im Leben das Stilfser Joch, die Königsetappe am Giro d’Italia, selber mit dem Rad erklimmen. Dieser Pass, der aufgrund seiner Lage und der Höhe jeweils nur wenige Monate im Jahr überhaupt befahrbar ist, und der nebst dem Col d’Iseran in Frankreich in der Radsportszene zu einem der prestigeträchtigsten Anstiege in den Alpen zählt, hatte es mir schon seit Längerem angetan. Mein am letzten Chlaushock  spontan geäusserter Wunsch wurde von Rolf von Burg mit Begeisterung aufgenommen und ohne viel Federlesens in die Tat umgesetzt. Nachdem der Termin einmal fixiert war - was bei meiner auf die Schulferien ausgerichteten Agenda nicht ganz einfach ist - präsentierte Rolf bereits am 9. Januar 2018 (!) einen ersten Tourenvorschlag für das Abenteuer «Stilfserjoch Tortour» (das ist kein Schreibfehler…), um eventuell noch weitere Interessierte ins Boot zu holen.

Nach einer mehr oder weniger intensiven sportlichen Vorbereitung in den letzten Wochen und Monaten trafen sich schlussendlich am Sonntag, 15. Juli 2018, pünktlich um 7.30 Uhr, Rolf von Burg, Rolf Hurter, Röbi Giacomelli und Mike Matthews bei mir zu Hause zum finalen Velo- und Gepäckverlad. Dank einer logistischen Meisterleistung brachen schlussendlich zwei Autos mit fünf abenteuerlustigen VCS-lern, ebenso vielen Velos und einer Ladung Gepäck obendrauf in Richtung Bündnerland auf. Bis Klosters kamen wir zügig voran und auch am Autoverlad Vereina blieb keine Wartezeit, was meine Blase überhaupt nicht goutierte… Ich war echt froh, dass wir nach der Tunnelfahrt gleich in Sagliains ein hübsches Café für unseren ersten Pit-Stop bzw. Kaffee- und Kuchen-Halt fanden. Frisch gestärkt nahmen wir den zweiten Teil der Anreise in Angriff und fuhren via Zernez über den Ofenpass hinunter ins Val Müstair bis Santa Maria im Münstertal, wo wir für die nächsten drei Nächte unser Quartier bezogen. Eine Bekannte von Röbi führt in diesem schmucken Bündner Dorf die Jugendherberge, wo er für uns zwei Mehrbettzimmer reserviert hatte. Röbi und Rolf vB teilten sich das Zimmer im Erdgeschoss, wo sie (in weiser Voraussicht) von äusserst kurzen Wegen profitieren konnten, und schickten Rolf H, Mike und mich in die oberen Gefielde.

Nachdem wir uns in der Jugi einigermassen häuslich eingerichtet hatten, sah Rolf vBs Programm am Nachmittag ein leichtes Einfahren vor. Die Begeisterung hielt sich nach einem ersten Blick auf die umliegende Topographie aber begreiflicherweise in engen Grenzen: Wo wir auch hinschauten, gingen die Strassen entweder hinauf oder hinunter (und dann wieder hinauf). Kein flacher Streckenabschnitt weit und breit… Ob dieser nicht so tollen Aussichten gönnten wir uns erst einmal eine Stärkung im wunderbar rustikalen Café der Bäckerei Meier im Ort, die wir dank ihren günstigen Öffnungszeiten (täglich von 7 bis 7 Uhr) während unserem Aufenthalt noch mehrmals aufsuchen sollten (also eine Art «Gländer»). Dort trafen wir ein paar Verwandte von Röbi, der dann als erster von unserem Programm abwich und sich nach dem Imbiss allein mit ihnen nach Hause ging. Wir übrigen rangen uns doch noch zu einer Akklimatisierungs-Velotour in Richtung Italien auf, das wir locker nach knapp 6 (bergab-)Kilometern via Münster erreichten. In Taufers, der ersten Ortschaft auf italienischem Boden, standen wir allerdings überall vor verschlossenen Türen - unsere südlichen Nachbarn befanden sich wohl alle schon in den Ferien und uns blieb nichts anderes übrig, als umzukehren… Die 6 (bergauf-) Kilometer zurück gingen dann nicht mehr ganz so flott, aber dafür hatten wir uns das anschliessende, erste Bier des Tages dann wirklich redlich verdient! Nach einem stärkenden Znacht, zu dem auch Röbi wieder zu uns stiess, hauten wir uns schon bald auf’s Ohr und versuchten, trotz den jeweils ungewohnten Zimmergenossen zu einer erholsamen Mütze Schlaf zu kommen…

Am Montag, 16. Juli 2018, war bereits um 7 Uhr Tagwache angesagt. Es folgte ein eher einfaches Frühstück, das meines Erachtens den kommenden sportlichen Herausforderungen nicht ganz gerecht wurde. Nichtsdestotrotz standen wir pünktlich um 9 Uhr bereit zur Abfahrt und setzten uns, beladen mit mehr (ich) oder weniger (Mike) Verpflegung, Tranksame, Ersatzpneu, Pumpe etc. in Bewegung. So hatten wir wenigstens die erste der beiden wichtigsten Stelvio-Pass-Regeln (NIE am Wochenende) beherzigt, während wir die zweite Regel (möglichst früh aufbrechen) mal aussen vor liessen… Das Wetter präsentierte sich – nach den nicht gerade berauschenden Prognosen in der Woche vorher – überraschend gut: Viel Sonne, einzelne Schäfchen-Wolken und eine der Höhe angemessene, mässige Temperatur. Also ideal für unser heutiges Unterfangen!

Wir nahmen den bereits am Vortag abgeradelten Weg nach Italien erneut unter die Räder und fuhren via Prad am Stilfserjoch nach Trafoi, wo wir einen ersten Kaffeehalt einlegten, um unsere Kräfte vor dem grossen Aufstieg zum Stilfserjoch nochmals zu sammeln. Die nun folgenden Kilometer hinauf bis zur Passhöhe nahm jeder für sich allein in Angriff. 1850 Höhenmeter, verteilt auf 48 (angeblich) unvergessliche Kehren mit einer Maximalsteigung von 16% galt es zu überwinden - je nach Trainingsstand und Kondition in mehr oder weniger flottem Tempo. Die härteren Anstiegsmeter verlaufen noch in einem glücklicherweise schattenspendenden Lärchenwald und man ist gut beraten, die ersten zehn Kilometer des Anstiegs respektvoll und nicht zu übermütig anzugehen. Da der Stelvio-Pass nicht nur bei uns Radfahrern Kultstatus geniesst, sondern offensichtlich auch bei (Renn-)Auto- und Töfffahrern, ist es zudem von Vorteil, keine Stricke zerreissen zu wollen und sich eher defensiv in den steten Verkehrsstrom einzufügen. Nebst der üppigen Steigung sind die Kurven zudem anfangs eher unübersichtlich, was mitunter zu haarsträubenden Szenen mit auf meiner Seite entgegenkommenden Fahrzeugen oder halsbrecherisch überholenden Porschefahrern führte. Überhaupt war die Porsche-Dichte an diesem Tag enorm hoch… Nichtsdestotrotz fand ich schnell meinen Rhythmus und schraubte mich in gemässigtem Tempo den Berg hinauf. Hin und wieder unterbrach ich meine Fahrt, um am Wegesrand ein Foto der wirklich atemberaubenden Bergwelt zu schiessen, mich zu verpflegen und mit einem Blick zurück auszuloten, wo sich meine Mitfahrer befanden. Ausser Mike, der in regelmässigem Abstand immer vier bis fünf Kurven unter mir blieb, konnte ich aber schon bald niemanden mehr ausmachen. Das Wiederaufsteigen und Fahrt aufnehmen in den steilen Streckenabschnitten war nicht immer ungefährlich, denn meistens brauste genau dann wieder ein Möchtegern-Formel1- oder Moto-GP Fahrer heran. Glücklicherweise wurden die Kehren im Schlussanstieg deutlich übersichtlicher, was es mir zwecks Entlastung der Oberschenkelmuskulatur auch mal erlaubte, eine Kurve anzuschneiden, wenn gerade nichts entgegenkam (was selten genug der Fall war). Einen guten Kilometer vor dem Ziel erwischte es mich dann doch noch: Trotz genügend Magnesium-Zufuhr begann es verdächtig in meinem Oberschenkel zu ziehen. Es half alles nichts - Absteigen und Gegenstreck-Übungen waren die einzige Alternative. Dankbar nahm ich die Hilfe eines deutschen Radfahrers in Anspruch, der eine Portion hochdosiertes Magnesium aus seinen Gepäcktaschen hervorzauberte und mir freundlicherweise überliess. Gemeinsam legten wir die letzten Meter bis zur Passhöhe auf 2'760 m.ü.M. zurück, wo wir unsere Räder erleichtert und mit grösster Freude abstellten.

Um meine beginnenden Krämpfe loszuwerden, spazierte ich zum Parkplatz, von wo ich einen wunderbaren Blick auf die soeben überwundenen Strassenkilometer, den herannahenden Mike, das weit entfernte Etschtal und die Gletscherfelder des über 3900 Meter hohen Ortlers genoss. Und hier noch eine kleine Anekdote: Am Fuß einer Stützmauer auf der Passhöhe befindet sich ein kleines Denkmal, das an den legendären, italienischen Radsportler Fausto Coppi erinnert. Der 1919 geborene, dreifache Radweltmeister gewann fünfmal den Giro d'Italia und zweimal das große Double: Giro d'Italia und Tour de France in einem Jahr. Mit nur gerade 41 Jahren starb er 1960 – meinem Geburtsjahr – an Malaria, die er sich während eines Straßenrennens im afrikanischen Obervolta, dem heutigen Burkina Faso, zugezogen hatte. Als 1953 der Stelvio das erste Mal im Programm des Giro d'Italia war, deklassierte Fausto Coppi seine Konkurrenz mit einer nie zuvor gesehenen Solofahrt und erreichte als Erster die Passhöhe. Im Jahr 1965 wurde ihm zu Ehren für die Italien-Rundfahrt der Sonderpreis "Cima Coppi" eingeführt: Der Radprofi, der als Erster den höchsten Punkt der Rundfahrt, die Cima Coppi erreicht, erhält eine Zeitgutschrift und Bonuspunkte für die Extremkletterei. Er hat die besten Aussichten, die Bergwertung des Giro zu gewinnen. Acht Mal wurde die Cima Coppi bisher auf dem Stilfser Joch ausgefahren. Ich gebe zu, solche Informationen lassen unsere Passfahrt nochmals in einem ganz anderen Licht erscheinen…

Nach Mike gesellten sich Rolf vB, Rolf H und Röbi der Reihe nach auf der Passhöhe zu mir – alle hatten wir es geschafft! Ein herrliches Gefühl, das wir in vollen Zügen genossen und mit einem gemeinsamen Gipfelfoto besiegelten, das Frau Thöni, eine Cousine des berühmten italienischen Skifahrers Gustavo Thöni, von uns schoss. Allzuviel Zeit blieb uns nicht bis uns die spürbar sinkenden Temperaturen zur Heimfahrt mahnten. Die Sonne hatte sich zwischenzeitlich hinter Wolken versteckt, aber wenigstens blieb der angekündigte Regen aus. Nun wieder gemeinsam nahmen wir den letzten Streckenabschnitt in Angriff, überquerten nach drei Kilometern die 2501 m.ü.M. liegende Umbrailpasshöhe und flogen beinahe die letzten 13 herrlichen Kilometer über 1120 Höhenmeter hinunter bis Sta. Maria, nicht ohne kurz vorher noch einen Trinkhalt einzulegen! Nach insgesamt fast 70 Kilometern stürmten wir erschöpft, aber glücklich in der Jugi die Gemeinschaftsduschen und gönnten uns ein paar Minuten totales Nichtstun, bevor wir ins Restaurant Alpina aufbrachen, wo wir bei einem feinen Znacht und einem guten Glas Wein die Erlebnisse des Tages noch einmal Revue passieren liessen: Jeder hatte seine ganz eigenen, besonderen Erfahrungen gemacht: Er gelangte an körperliche und geistige Grenzen, erlebte Freudvolles und Ärgerliches, wurde beinahe überfahren, abgedrängt oder schlichtweg übersehen, litt Hunger und Durst (ein Bidon ist für diese Tour einfach zuwenig, Mike…), lernte hilfsbereite Zeitgenossen kennen und erreichte schlussendlich und trotz aller Mühsal das gesteckte Ziel. Einmalig!

Wenn wir keine fixen Frühstückszeiten gehabt hätten, hätten wir den Dienstag, 17. Juli 2018, wohl schlichtweg verschlafen… Nur mit ganz viel gutem Zureden konnten wir uns selber motivieren, eine kurze Abgewöhnungsrunde mit dem Velo zu drehen. 9 Kilometer Richtung Ofenpass bis Tschierv (diesmal setzten wir die Steigung VOR die Abfahrt) und wieder zurück mussten allerdings reichen. Nicht einmal Röbis Plan B, der Besuch der kleinsten Bar der Welt (8.53 m2) mit angeschlossenem Whiskymuseum, konnte uns noch reizen (zumal sie sowieso geschlossen hatte). Da zogen wir es vor, unsere ermatteten Glieder zur Bäckerei Meier zu schleppen und mit Kaffee und Kuchen wieder aufzupäppeln. Nebst der sportlichen Ertüchtigung sollte aber auch der Geist nicht zu kurz kommen und mit träfen Sprüchen trainierten wir unsere Lachmuskeln fast bis zum Geht-nicht-mehr. Überhaupt haben wir in diesen Tagen unglaublich viel gelacht und uns wirklich gut unterhalten, was nebst dem sportlichen Aspekt ja auch nicht zu vernachlässigen ist. An dieser Stelle herzlichen Dank an meine vier Mitstreiter für die tolle Kameradschaft und die gute Stimmung, sowie Rolf vB und Röbi für’s Organisieren. Es braucht eben immer noch jemanden, der beim Träume verwirklichen mit anpackt…!

Nach einer letzten Jugi-Nacht machten Rolf H und ich uns zusammen auf den Heimweg. Röbi fuhr allein mit dem Auto über Bormio zu einem weiteren Verwandten-Besuch und erreichte gegen zehn Uhr abends wohlbehalten seine Heimbasis in Zufikon. Rolf vB und Mike hingegen hatten sich während den Vorbereitungen zu unserer «Stilfserjoch Tortour» entschieden, noch eine Sack-und-Pack-Tour anzuhängen und fuhren gleichentags rund hundert Kilometer mit dem Rad über Meran nach Bozen im Südtirol, um an den folgenden Tagen den Gardasee zu umrunden. Und ich verbringe noch ein paar, hoffentlich nicht allzu aufreibende Arbeitstage, bevor uns drei Ferienwochen im sonnigen Süden OHNE Velo erwarten. Dann hätte ich sicher genügend Zeit, mir einen nächsten Velotraum auszudenken…

Hans-Peter Bratschi