•  
  •  
Fotoalbum folgt demnächst
Veloferien in Porec-Istrien Fr. 27. April - Sa.05. Mai 2018
AnkerBericht zur Istrien-Trainingswoche 2018 von Hans-Peter Bratschi
Diverse Nachmeldungen, Abmeldungen und Ummeldungen hatten Hansjörg Baumann die Planung und Vorbereitung unserer diesjährigen Trainingswoche vom 28. April bis 5. Mai 2018 auf der kroatischen Halbinsel Istrien wohl ziemlich erschwert… Trotzdem trafen schlussendlich 13 gut gelaunte und motivierte VCS’ler am Freitag-Abend, 27.04.2018, pünktlich ab 20 Uhr mit Sack und Pack (sprich: Velo) bewaffnet auf dem CCA-Parkplatz in Spreitenbach ein, wo auch schon der Car von Andreas Wicki bereitstand. Routiniert verstauten wir unsere Habseligkeiten im Car bzw. im hochmodernen Veloanhänger, machten es uns – dank freier Sitzwahl – auf unseren jeweiligen Lieblingsplätzen gemütlich und starteten pünktlich um 20.30 Uhr ins Abenteuer Istrien-Ferien. Ans Schlafen war allerdings vorerst nicht zu denken, denn Andreas Wicki lud an 5 (!) Zwischenhalten weitere Veloreisende auf, so dass es schliesslich fast Mitternacht wurde, als wir endlich den Gotthard-Tunnel anpeilten. Dies hatte wenigstens den Vorteil, dass sich zwischenzeitlich der unfallbedingte, kilometerlange Stau vom Nachmittag vor dem Tunnel-Nordportal fast vollständig aufgelöst hatte.
So erreichten wir nach 13 Stunden Fahrt – etwas gerädert, aber ansonsten sehr zufrieden - am späteren Samstag-Vormittag bei strahlend schönem Wetter unsere aus den Vorjahren bereits bestens bekannte Unterkunft, das Hotel Valamar Pinia in Poreç. Und dort erwartete uns auch bereits die erste Überraschung: Ruth und Andy Haller, die die weite Anreise mit dem Privat-PW unternommen hatten, standen als Empfangskomitee bereit. Sie hatten gute Vorarbeit geleistet und das strategisch am günstigsten gelegene Velohäuschen exklusiv für uns reserviert und zudem dafür gesorgt, dass wir uns trotz unserer etwas verspäteten Ankunft noch am Frühstücks-Buffet gütlich tun konnten.
Im Wissen, dass unsere Zimmer nicht vor 14 Uhr bezugsbereit sein würden, hatte Hansjörg uns in weiser Voraussicht und mit Blick auf die guten Wetterprognosen schon zuhause gebeten, unsere Veloausrüstung für den Samstag gut griffbereit zu halten. So konnten wir uns im Gepäckraum des Hotels fix umziehen und standen  alle bereits um 12 Uhr gut verpflegt und erwartungsfroh für den Prolog vor dem Hoteleingang bereit. Dieses erste Einrollen führte uns unter der Leitung von Hansjörg und Andy dem Küstenweg entlang nach Tar, wo wir ins Landesinnere abbogen und via Labinci und Visnjan in einem grosszügigen Bogen nach Poreç zurückkehrten. 41 Kilometer zeigten unsere Tachos an, als wir uns in einem schönen Strand-Café direkt an der Promenade von Poreç unseren ersten „Gländer-Drink“ gönnten. Danach radelten wir zurück ins Hotel, um unsere zwischenzeitlich bereiten Zimmer zu beziehen und uns häuslich einzurichten. Einen kleinen Strandspaziergang und ein üppiges Buffet-Znacht später trafen wir uns noch kurz in „Willy‘s“ Bar, um in diesem beliebten Velofahrer-Treff auf die kommenden Ausfahrten anzustossen.
Ab Sonntag trennten sich die Wege der VCS-Velofahrer wie in den Vorjahren je nach Trainingsstand und –ziel: Paul Rissi, Mike Matthews und ich schlossen uns der Hotel-Gruppe unter der Leitung von Schorsch an. Bereits am ersten Tag legten wir bei wunderbarstem Wetter satte 106 Kilometer und fast 1200 Höhenmeter mit einer beachtlichen Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 Kmh zurück – da waren wir trotz guter Vorbereitung in der Schweiz schon ziemlich gefordert… Als wir bei „Willy“ den gelungenen Wochenauftakt begossen, trafen wir auf unsere VCS-KollegInnen, die nach 70 Km über Novigrad, Umag und zurück ebenfalls sehr zufrieden aus der Wäsche guckten. Dies trotz einem Defekt an Ernst Möslis Velo und dem garstigen 13%-Aufstieg nach der Brücke über die Mirna-Mündung, die Heidi Bratschi zu Fuss (na ja!) bewältigte… Wahrscheinlich machten der Abstecher an Novigrad’s Fischerhafen und der gemütliche Kaffeehalt am Strand von Umag allfällige Unannehmlichkeiten schnell vergessen!
Der Montag startete mit leichter Bewölkung, die im Laufe des Tages aber wieder reinstem Sonnenschein Platz machte. Bei unserer Speed-Gruppe stand die sogenannt kleine Höhenstrasse mit wiederum 100 Km aber diesmal fast 1500 Hm auf dem Programm. Höhepunkt war der Besuch des pittoresken, für seine schmackhaften Trüffel berühmten Dorfes Motovun. Nebst dem saftigen Aufstieg war die Besichtigung des Dorfes mit unseren Veloschuhen über das extrem holprige Kopfsteinpflaster eine echte Herausforderung der anderen (nicht velotechnischen!) Art. Aber die tolle Aussicht ist die Mühe allemal wert. Wie mir Heidi berichtet hat, war auch die Hansjörg/Andy-Tour mit 78 km ein voller Erfolg. Die Truppe war zwar schon auf 7 Teilnehmer geschrumpft und bestand nebst den beiden Leitern nur noch aus ihr, Ernst, Christine Baumann, Otto Moser und Albert Blatter. Sie schlängelte sich aber trotzdem voll motiviert durch Istriens Hinterland und entdeckte dabei immer wieder viel Neues - vor allem Cafés ;-). Röbi Giacomelli und Rolf Hurter zogen ihren ersten Ruhetag ein und schlossen sich den Damen Ruth Giacomelli und Ruth Haller an. Zu Fuss eroberten sie nach einem längeren Strandspaziergang die Altstadt von Poreç, wo sich Röbi als kundiger Fremdenführer hervortat und seinen Begleiter/innen nebst den kulinarischen auch ein paar historische Höhepunkte präsentierte.
Die holprigen und löchrigen Strassen forderten nach Ernst’s (glücklich behobenen) Velo-Problemen mit meinem Drahtesel ihr zweites Opfer. Im Leerlauf gab er äusserst merkwürdige und vor allem laute Geräusche von sich, die mich echt zweifeln liessen, ob er die Ferien noch übersteht… Ein kurzfristig anberaumter Termin in der Velowerkstatt konnte mich dann aber einigermassen beruhigen: Der Defekt sei zwar ärgerlich, aber nicht dramatisch – ich könne problemlos weiterfahren, solange ich den Leerlauf nicht überstrapaziere… Na ja, des Mechanikers Wort in Gottes Ohr. So machte ich mich am Abend auf den Weg ins benachbarte Hotel Valamar Zagreb, wo unser Carchauffeur Andreas Wicki mit den übrigen Radfahrern nächtigte. Er hatte angeboten, interessierte Gümmeler am Dienstag, zwecks Passfahrt mit dem Car an die Ostküste der Istrischen Halbinsel zu transportieren. Fast alle Rad fahrenden VCS’ler folgten seinem Vorschlag und standen schon bereit, um ihre Velos zu verladen, damit wir am nächsten Morgen zeitig aufbrechen konnten.
Nach einem etwas weniger ausführlichen Frühstück als sonst spazierten wir bereits um 8 Uhr in der Früh ins Hotel Zagreb, verluden unsere restlichen Siebensachen und auf ging‘s Richtung Osten. Irgendwo im Niemandsland parkierte Andreas seinen Car, unsere VCS-Gruppe formierte sich und wir brachen auf zum Abenteuer Uçka-Pass-Fahrt. Bei ziemlich bedecktem Wetter führten uns die ersten 30 Km in stetem Rhythmus auf der Küstenstrasse nordwärts. Glücklicherweise hielt sich der 1.-Mai-Feiertagsverkehr etwas in Grenzen. So erreichte unsere VCS-Formation geschlossen Icici, wo wir einen kurzen Halt einlegten und unsere Bidons auffüllten. Von da an fuhr jeder für sich alleine die Passstrasse hoch. Auf lediglich 10 Km erklommen wir mit teilweise 16%igen Steilabschnitten in Haarnadelkurven fast 1000 Höhenmeter. Die restlichen 20 Km bis zur Uçka-Passhöhe waren dann schon beinahe Erholung pur. Und die brauchte es auch, denn von da aus erfolgte mit dem Aufstieg auf den 1401 m hohen Vojak der finale 5-Km-Gipfelsturm hinauf zum höchsten Punkt Istriens. Der Abstecher war für mich eine etwas einsame Angelegenheit, denn das restliche VCS-Team mit Christine, Hansjörg, Otto, Paul, Mike, Röbi und Rolf verzichtete wohlweislich auf die zusätzlichen Strapazen. Die Höhe machte sich auch in den Temperaturen bemerkbar und so gönnten sie sich auf der Passhöhe einen wohlverdienten, warmen Kaffee, bevor sie die teilweise sehr steile Abfahrt in Angriff nahmen. „Dank“ meinem Alleingang gabelte ich auf dem Rückweg zum Car einen „Zagreb“-Radler auf, dessen Wechsel gebrochen war und der sich nur noch mit einem Gang mehr schlecht als recht den Berg hinunterquälte. Mit manueller Schubkraft meinerseits erreichte aber auch er wohlbehalten den im Tal wartenden Car, der alle Uçka-Fahrer nach 94 Km und 1800 sehr anspruchsvollen Höhenmetern wohlbehalten wieder nach Hause brachte.
Dort erwartete uns bereits die Andy-Truppe mit Ernst, Albert und Heidi, die nicht minder begeistert von ihrem 85-Km-Ausflug an den Butoniga-Stausee berichteten, der ihnen ebenfalls fast 1100 Hm abforderte. Diese Leistung war nicht zuletzt für Alberts E-Bike eine Herausforderung. Da er keine Ersatzbatterie dabei hatte, haben wir ihm am Vorabend dringend von der Uçka-Passfahrt mit ihren insgesamt fast 2000 Hm abgeraten. Wir sollten Recht behalten – seine Batterieleistung zeigte am Ende noch 15 zu fahrende Km an…
Der Mittwoch galt eigentlich als Ruhetag, an dem vom Hotel keine Touren angeboten wurden. Das erneut prachtvolle Wetter motivierte aber dermassen, dass alle VCS’ler gemeinsam zu einer Ausfahrt aufbrachen. Andy hatte eine tolle Tour ausgearbeitet, die jedwelche Abkürzungen vorsah, damit auch die schon etwas müderen Fahrer vorzeitig hätten umkehren können – wenn sie denn gewollt hätten. Am Ende blieben wir alle friedlich zusammen, ersparten uns aber alle „unnötigen“ Bergfahrten und genossen stattdessen einfach die herrliche Landschaft, die strahlende Sonne, einen tollen Ausblick über den Lim-Fjord und nicht zuletzt ein spontanes Spanferkel-Essen. Der Zufall wollte es, dass wir genau zur richtigen (Mittagessen-)Zeit in die berühmte „Ferkel-Strasse“ zwischen Klostar und Flengi eingebogen waren. So fuhren wir – eigentlich auf der Suche nach einem Kaffeehalt – bei einem der traditionellen Konobas vor. Das Ferkelchen drehte bereits seit Stunden am Spiess seine Runden und ein (zumindest für die Fleischliebhaber unter uns) verführerischer Duft erfüllte die Luft. Kurzentschlossen kehrten wir ein und gönnten uns gemeinsam ein paar Degustations-Portionen dieser köstlichen Spezialität, kombiniert mit Bratkartoffeln, Gemüse und frisch aufgebackenem Brot. Einzig das kategorische Alkohol-Verbot von Hansjörg, der uns wohl schon in Schlangenlinien nach Hause gondeln sah, passte nicht so recht zur istrischen Tradition, wo einem nach jedem Mahl (und manchmal auch nach jedem Getränk) ein Gratis-Schnaps offeriert wird. A propos Getränke: An dieser Stelle ein Hoch und ein ganz besonders herzliches Dankeschön an Walti Tobler, der Röbi vor unseren Ferien ein blaues Nötlein zugesteckt hatte, auf dass dieser uns in seinem Namen einen Apéro offeriere. Wir haben den mega grosszügigen Umtrunk am Abend bei „Willy“ sehr genossen – ganz im Sinne von Hansjörg also erst NACH und nicht WÄHREND der Tour…! Nach 48 wunderbar unterhaltsamen Velokilometern kehrten wir so frühzeitig ins Hotel zurück, dass uns sogar noch genügend Zeit blieb für einen Spaziergang nach Poreç, um ein bisschen zu Shoppen und einen Sundowner zu geniessen.
Auch am Donnerstag blieb das Wetter, trotz der schon seit Tagen angekündigten Schlechtwetterfront, vorerst unverändert schön und angenehm. So schlossen Paul, Mike und ich uns nochmals Schorsch’s Tour an, die diesmal die sogenannt grosse Höhenstrasse vorsah. 110 Km und 1300  Hm sollten am Ende des Tages unseren Tacho zieren. Auf diversen, höhenmässig anspruchsvollen Umwegen hiess unser heutiges Tagesmotto „rund um den Butoniga-Stausee“. In der Ferne brauten sich gefährlich aussehende Gewitterwolken zusammen und ein teilweise heftiger Wind kam auf. Trotzdem erreichten wir Poreç trockenen Fusses und trafen bei „Willy“ auf die Hansjörg-VCS-Truppe. Sie hatte heute dem reizvollen Künstlerdorf Groznjan einen Besuch abgestattet, um Rolf, der zum ersten Mal in Istrien dabei war, auch diese (natürlich wie üblich nur über einen deftigen Anstieg zu erreichende) Sehenswürdigkeit zu präsentieren. Sie standen dabei via Smartphone mit der Andy-VCS-Truppe (Ernst, Albert und Heidi) in Kontakt, die die letzte Steigung von Krasica nach Groznjan rechts liegen liess und direkt nach Buje weiter pedalte, um in einem schmucken Café auf die „Berggeissen“ zu warten. Nachdem sich die Warterei etwas gar zu sehr in die Länge zog, fuhren sie weiter, um (gemäss Absprache) bei Perci in einem besonders hübschen, landestypischen Gasthof einzukehren und dort erneut auf die Hansjörg-Truppe zu warten – welche zwischenzeitlich wegen der drohenden Gewitterwolken ohne Halt bis Poreç durchgefahren war… Trotz dieser Kommunikationspanne kamen aber auch Andy und seine Mitfahrer noch rechtzeitig ins Hotel zurück und konnten nach 70 Km (Hansjörg: 76 Km) und zwei schönen Kaffeehalten ihre Beine hochlegen, bevor das Unwetter doch noch losbrach. Ein heftiges Gewitter mit starkem Regen zog über uns hinweg und wirbelte etliche zum Trocknen aufgehängte Kleidungsstücke durch die Luft. So retteten wir u.a. Pauls Velosocke, die vom dritten Stock in unseren „Vorgarten“ gewindet wurde vor dem Untergang…
Am Freitag-Morgen hatten sich die Wolken wieder verzogen und die Sonne brach erneut durch. Dennoch hatten wir unser Velofahr-Soll wohl erfüllt, auf jeden Fall fand sich niemand mehr, der an unserem letzten Ferientag noch aufs Rad steigen wollte. Dies war für Andy und Ruth ein guter Zeitpunkt, um die Koffer zu packen und in aller Ruhe gemütlich nach Hause zurück zu reisen. Ganz herzlichen Dank, Andy, dass Du dich einmal mehr als Tourenleiter zur Verfügung gestellt hast. Ich habe von Deinen Mitfahrern nur Gutes gehört und vor allem die Stausee-Tour wird ihnen in bester Erinnerung bleiben!
In Gruppen spazierten wir Zurückgebliebenen noch einmal nach Poreç, um ein letztes Mal durch die Gassen zu schlendern, ein paar Souveniers zu erstehen, etwas zu essen oder zu trinken (einzelne brachten es angeblich auf 6 (!) Wirtshaus-Besuche), aber vor allem, um in immer wieder neuen Zusammensetzungen zu plaudern und sich auszutauschen. Und wie durch Zufall trafen wir uns alle nach der Velo-Abgabe zu einem letzten gemeinsamen Umtrunk im Strandcafé und liessen die vergangene Woche noch einmal Revue passieren: Zwischen 390 und 500 Km sowie bis zu 10‘000 Höhenmetern wurden abgestrampelt, kein Unfall oder Plattfuss trübten die Ausfahrten und lediglich eine heftige Erkältung (Albert) waren zu beklagen. Auch unsere nicht oder individuell Rad fahrenden Teilnehmerinnen wie Susy Moser und die beiden Ruth’s kamen voll auf ihre Kosten. Toll!
Am Samstag, 5. Mai, hiess es dann leider wieder Abschied nehmen. Morgens um 8 Uhr holte uns der Wicki-Car vor dem Hotel ab. Bei wiederum strahlendem Sonnenschein verabschiedeten wir uns von Kroatien und liessen uns ohne Stau, dafür mit den vom Hinweg bekannten Auslade-Halten (einfach in umgekehrter Reihenfolge) sicher und ruhig nach Hause chauffieren. Das Wetter wurde zwar, je weiter nördlich wir reisten, immer schlechter, aber bis wir um 21 Uhr am CCA Spreitenbach ausgeladen wurden, hatten sich auch die Regenwolken schon wieder verzogen. …

Im Namen aller Teilnehmenden: Ganz herzlichen Dank an Hansjörg und Christine Baumann für die einmal mehr  tadellos organisierte Velowoche und ebenso herzlichen Dank an Andy Haller und Hansjörg für die perfekte Tourenplanung und die wie gewohnt souveräne Leitung unserer Ausfahrten. Und nicht zuletzt ein riesiges Dankeschön an alle Mitreisenden für Ihr aktives Mitmachen, die gute Stimmung und die tolle Kameradschaft. Ich freue mich schon auf die nächsten VCS-Veloferien!

Gruss, Hans-Peter Bratschi